13.07.2025

Heute waren nur knapp 13 km geplant: ein kurzer Hike nach Snoqualmie Pass.

Weil ich mich gestern entschieden habe, am Ridge Lake zu bleiben, zählt der heutige Tag ganz klar als NERO.

"Ein "Nero" beim Thru-Hiking ist ein Tag mit sehr geringer Kilometerleistung (meist < 15-20 km), der als Erholung dient. Es leitet sich von "Near to Zero" (nah an Null) ab."

Gut geschlafen hatte ich letzte Nacht nicht. Mein Zelt war von innen feucht – und natürlich auch wieder von unten.

Ich strampelte mich aus dem Zelt und startete meine Morgenroutine.

Auch mein Bärenkanister war am Deckel nass, und ich machte die Nähe des Sees dafür verantwortlich. 

- NIE mehr so nah an einem Lake -

Nachdem ich erneut mit kleinen schwarzen Fliegeviechern „gekämpft“ hatte (keine Moskitos), ging ich um 6:15 Uhr los.

Die aufgehende Sonne besänftigte mein Gemüt, und der Start ging mir leicht von den Füßen.

Es stand nur Abwärts-Laufen im Höhenprofil - mit täglicher traumhafter Aussicht.

Nach 45 min kam ich um die Kurve und sah - Zivilisation - in Form einer Straße.

Gleichzeitig hatte ich Empfang auf der SIM-Karte und ließ mich für die nächsten Kilometer vom „digitalen Socialising“ von der Natur um mich herum ablenken.

Der Zeitpunkt passte: Zwischen der Westküste der USA und Deutschland lagen ganze neun Stunden Zeitunterschied.

Jetzt waren meine Menschen in Germany wenigstens gut erreichbar.

Je mehr Höhenmeter ich verlor, desto mehr schwand der Empfang – und mein Handy fiel zurück in den SOS-Modus.

Was für ein Glück für mich, sonst hätte ich noch diesen Anblick des Mt. Rainiers verpasst 🤍

Bald kamen mir die ersten Dayhiker mit leicht bepackten Rucksäcken entgegen.

Langsam freundete ich mich mit dem Gedanken an, heute nicht viele Meilen zu machen und stattdessen den Großteil des Tages im Ort zu verbringen.

Ehrlich gesagt fühlte sich das ein bisschen „komisch“ an.

Meinem Körper wird die Pause allerdings sehr gut tun.

Nach gut 3 Stunden erreichte ich um 9:15 Uhr den Parkplatzdes PCT Trailhead North Snoqualmie.

Worüber ich mich so freuen kann -  nach vier Tagen in der Wildnis.

Der PCT verlief am Parkplatz vorbei, dann weiter bis zu einer geteerten Forest Road und schließlich unter dem Highway 90 hindurch.

Schließlich stand ich vor dem Ortsschild und orientierte mich mit Google Maps, wohin ich als Erstes gehen könnte.

Frühes Einchecken ins reservierte Motel war bestimmt nicht drin.

Ich ging zu nächsten Grocery Store, dem Laconia Market und konnte mich garnicht entscheiden vor lauten leckeren Sachen.

Ich verließ den Laden mit einer Tüte Chips, Obst und einem Kaffee.

Ich nahm mir Zeit -  hatte ja nichts weiter vor heute.

Nachdem ich mein zweites Frühstück inhaliert hatte, streunerte ich durch den Ort und stieß schließlich auf mein heutiges Motel, das Summit Inn. Viel Auswahl hatte ich nicht – eigentlich war es sogar das einzige bezahlbare Motel in dem Ort.

Hier wurde ich freundlich empfangen, aber mit dem Hinweis, dass ich nicht vor 14:00 Uhr einchecken könnte. Das war fein für mich.

Leider habe ich mit diesem Motel keine positiven Erfahrungen gemacht und kann es nicht weiterempfehlen. Während meines Aufenthalts schien zunächst alles in Ordnung, doch nach meiner Abreise wurden mir zusätzlich 50 $ von der Kreditkarte abgebucht.

Auf meine Nachfrage – nach längerem Warten – erhielt ich die Antwort, ich hätte angeblich fünf Handtücher „zerstört“. 

Als Beleg wurden mir Fotos geschickt, die weiße Handtücher mit schwarzen Flecken zeigten, als wären damit ein Fahrrad oder ein Auto gereinigt worden.

Mein Hinweis, dass ich dafür unmöglich verantwortlich sein könne (und warum auch?), wurde ignoriert und zurückgewiesen. Da ich keinen Gegenbeweis hatte – ich habe die Handtücher beim Verlassen des Zimmers natürlich nicht fotografiert – blieb mir nichts anderes übrig, als die Abbuchung hinzunehmen.

Daher: KEINE Empfehlung für das Summit Inn.

Ich strich also weiter durch die wenigen Geschäfte und kaufte worauf ich hunger hatte.

Ich traf auf einen Truckfahrer und kam mit ihm ins Gespräch. Offensichtlich hatte er noch nie vom PCT gehört und hörte mir interessiert und fasziniert zu.

Er wünschte mir weiterhin viel Erfolg, und unsere Wege trennten sich.

Später am Tag traf ich ihn überraschend noch einmal wieder. Ohne viele Worte drückte er mir ein paar Dollar in die Hand. Auf meinen verwunderten Blick hin erklärte er, er wolle mir einfach etwas Gutes tun und habe nicht gewusst, wie sonst – also habe er an Geld gedacht.

Trail Magic mal anders.

Gegen 14:00 Uhr schlenderte ich zurück zum Motel.

Ich konnte einchecken, nahm mein Re-Supply Paket entgegen und suchte mein Zimmer.

Bett & Bad - mehr brauchte ich nicht.

Zuerst hing ich mein Zelt zum Trocknen auf und kramte meine Wäschen für die Waschmaschine zusammen.

Während die Waschmaschine lief, stellte ich mich unter die Dusche und ließ mir Zeit, den Dreck der letzten Meilen abzuspülen. 

Das warme Wasser tat gut. 

Frisch und sauber ließ ich mich aufs Bett fallen, schloss die Augen und gönnte mir einen kurzen Moment Pause.

Zurück an der Rezeption begegnete ich Lian, einer anderen PCT-Hikerin. Sie erkannte mich sofort, während ich einen Moment brauchte.

Wir hatten uns am Trailhead vom Stevens Pass getroffen, als wir beide in die Section J gestartet waren.

Sie fragte, ob wir später zusammen etwas essen gehen wollten. Ich sagte zu.

Die Zeit verging schnell, und gegen 18:00 Uhr machten wir uns auf den Weg – auf der Suche nach etwas Essbarem.

An einem StreetCar-Stand wurden wir fündig.

Ich entschied mich für den Sauerkraut-Hotdog. 

Das fancy Gericht schmeckte dann aber überraschend gut.

Wir redeten ausgiebig und fast alles drehte sich um den PCT.

So verging der Abend, und nach dem Essen ging ich nur noch ins Bett.


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Tageskilometer  12,92 km

Gesamtkilometer   473,82 km

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English Version:

Today was a short one – only about 13 km to Snoqualmie Pass.

Since I had decided yesterday to stay at Ridge Lake, today was officially a NERO.

A "Nero" in thru-hiking terms is a day with very few miles (usually under 15–20 km), meant for rest. The name comes from "Near to Zero."

Sleep hadn’t been great. My tent was damp inside, and, of course, the ground hadn’t done me any favors either.

I hauled myself out and began my morning routine.Even my bear canister had a wet lid – too close to the lake, I decided.

  • Note to self: never camp that close again -

After another skirmish with tiny black flies (thankfully no mosquitoes), I hit the trail at 6:15 a.m.

The rising sun lifted my mood, and the first steps felt easy.

The trail was all downhill today, with jaw-dropping views every step of the way.

About 45 minutes in, I rounded a bend and suddenly saw signs of civilization – a road.

At the same time, I got a cell signal and indulged in a little digital distraction for a few kilometers.

Perfect timing: nine hours separated me from my friends and family in Germany, and now at least they were reachable.

As I lost elevation, the signal faded, and my phone went back to SOS mode.

Good thing, too – otherwise I might have missed this incredible view of Mt. Rainier 🤍

Soon, I started passing day hikers with light packs.

I slowly accepted the idea of hiking only a few miles today and spending most of the day in town.It felt a little weird, honestly.

But my body would thank me for it.

Three hours later, at 9:15 a.m., I arrived at the North Snoqualmie PCT trailhead parking lot.

After four days in the wilderness, I was oddly thrilled to see cars.

The trail continued past the lot, onto a paved forest road, and finally under Highway 90.

I soon stood at the town sign, consulting Google Maps for my first stop.

Early check-in at my motel? Not happening.

I wandered into the nearest grocery store, Laconia Market, overwhelmed by all the tempting choices.

I left with a bag of chips, some fruit, and a coffee.

No rush today, so I took my time.

After devouring my second breakfast, I wandered through town and eventually found my motel, the Summit Inn. My options were limited – it was basically the only affordable place around.

The staff were friendly but said I couldn’t check in before 2:00 p.m. Fine by me.

Unfortunately, my experience there would take a turn. 

After leaving the next morning, $50 mysteriously appeared on my credit card.

After a long wait, they claimed I had “destroyed” five towels.

They sent pictures of white towels with black stains, as if someone had cleaned a bike or car with them.

My protests were ignored, and since I had no evidence to refute it, I had to accept the charge.

Lesson learned: Summit Inn – not recommended.

I continued exploring the few shops and grabbed some snacks.

I ran into a truck driver and started chatting. He’d never heard of the PCT and listened with fascination.

He wished me well, and we parted ways.Later, I ran into him again. Without a word, he handed me a few dollars. When I looked puzzled, he said he just wanted to do something nice, didn’t know how else – so he gave money.

Trail magic, just a little different.

By 2:00 p.m., I strolled back to the motel.

I checked in, collected my resupply package, and found my room.

Bed and bathroom – all I needed.

First, I hung my tent to dry and sorted laundry for the washer.

While the machine ran, I showered, taking my time washing off trail grime.

The warm water felt amazing.

Clean and refreshed, I collapsed on the bed, closed my eyes, and let myself rest a little.

Back at the reception, I bumped into Lian, another PCT hiker. She recognized me immediately, while I had to think for a second.

We had met at Stevens Pass trailhead when we both started Section J.

She asked if I wanted to grab dinner later. I said yes.

Time flew, and by 6:00 p.m. we headed out in search of food.

We found a StreetCar stand and I went for the sauerkraut hotdog.

Surprisingly, it was delicious.

We talked for hours, mostly about the PCT.

The evening slipped away, and after dinner, I headed straight to bed.


Daily mileage: 12.92 km

Total mileage: 473.82 km

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