15.07.2025

Auf eine Wolke am Abend folgt ein Sonnenaufgang am Morgen.

Um 5:30 Uhr wurde ich von der aufgehenden Sonne begrüßt – und das Aufstehen fiel mir gleich leichter.

Eine Stunde später war ich startklar und setzte meinen Weg fort. 

Schon nach zwei, drei Schritten zeigte sich das nächste Highlight, das mich durch den Tag begleiten sollte.

Darf es noch ein bisschen mehr sein âť•

Der Mount Rainier bleibt einer meiner Lieblingsberge in Washington – und irgendwann werde ich dort oben auf 4.293 Metern stehen.

Aber nicht heute, denn ich muss weiter...

Heute wechselten sich Waldpassagen mit weiten Ausblicken ab. Ein Tag zum Genießen – und dennoch anstrengend.

Ein kleiner Side-Trail fĂĽhrte zu einer Wasserquelle. Mein Vorrat war fast aufgebraucht, also nahm ich den Abstecher auf mich, bevor der Trail erneut steil anstieg.

Heute war der Geburtstag meines Neffen (8 Jahre) und ich hoffte mir, dass ich weiter "oben" Empfang haben werde, um ihn anzurufen.

Ich war umrundet von den Blowout Mountains und ja, des war wirklich atemberaubend schön.

Weiter oben hatte ich tatsächlich Empfang, aber meine Schwester ging nicht an ihr Handy. 

Also lieĂź ich den Blick schweifen und suchte den Mount Rainier, der immer wieder am Horizont erschien.

So langsam meldete sich der Hunger, und ich suchte nach einem passenden Platz. Zwar ohne Blick auf den Berg, aber dennoch ein schöner Ort.

Nach einer Pause von 11:00 bis 11:30 Uhr stellte ich mich dem nächsten Anstieg - hoch zum Green Pass.

Der Pass war dann nicht so spektakulär und es ging wieder bergab.

Zu den Auf und Abs in Washington ein kleines Statement von mir:

Es ging rauf und runter, und zwischendurch kreuzte ich ein paar Forest Roads – ohne eine Menschenseele zu treffen.

Um 13:00 Uhr hatte ich erneut leichten Hunger und stoppte fĂĽr einen Snack.

Nach nur 15 Minuten setzte ich meinen Weg fort und erreichte die Windy Gap Area, die 1988 durch das sogenannte Falls Creek Fire zerstört worden war.

Die schwarzen, kahlen Baumstämme sind noch stille Zeugen des Geschehens. Gleichzeitig ist hier gut zu sehen, wie die Natur sich langsam erholt und neues Leben nachwächst.

Der Teil war recht kurz und ich kam zurĂĽck ins bewachsene Gefilde.

Zwischendurch fand ich ein kleines TĂĽtchen Kaffee und nahm sie mit. Ob ich sie trinken wĂĽrde oder nicht – das LNT-Prinzip (Leave No Trace) zwang mich, sie aufzusammeln.

Der Nachmittag verging und ich war so im Flow, dass ich kaum merkte, wie die Zeit verging.

Plötzlich traf ich auf dieses Schild und es ratterte in meinem Kopf.

WANTED ! 

MURDERER !

MANHUNT !

Im Juni, noch während ich in Deutschland war, ĂĽberschlugen sich die Nachrichten in den PCT-Facebook-Gruppen: 

Drei kleine Kinder wurden in der Nähe von Leavenworth ermordet – unweit des Pacific Crest Trails.

Der Vater/ Täter war auf der Flucht, und der PCT sowie zahlreiche andere Trails in der Umgebung wurden gesperrt:

Pacific Crest Trail Closure
Per the Okanogan County Sheriff’s Office, “Authorities believe Decker may be traveling along or near the Pacific Crest Trail (PCT) and could be anywhere in its vicinity.”
The Pacific Crest Trail Association says that the PCT north of Stehekin has been closed due to the manhunt.

Aus Deutschland verfolgte ich die Nachrichten und hoffte, dass der Täter bald gefunden würde.

Ende Juni, bei meiner Ankunft auf dem Trail, war zwar alles wieder geöffnet – der Täter war jedoch weiterhin auf der Flucht.

Ich hatte das Alles verdrängt, aber jetzt kam es mir zurück ins Gedächtnis - Kopfkino ON!

"He certainly won't stop for a PCT hiker after he's already killed his own children!"

Angst hatte ich trotzdem keine - und nein, ich war nicht bewaffnet.

Und trotzdem war es ein komisches GefĂĽhl, als ich den Parkplatz des Naches Trails erreichte und dort eine einzige Person sah – und kein Auto weit und breit.

Ich ging einfach weiter, drehte mich aber ein, zwei Mal um. Mir folgte niemand, und als ich wenige Schritte später ein aufgebautes Zelt sah, entspannte ich mich etwas.

Links tauchte ein Gebäude auf. In meiner App entdeckte ich, dass es die Ulrich Cabin war – ausgewiesen als Emergency Shelter.

Ich ging hinein – die TĂĽr stand offen. Drinnen lag ein PCT-Logbuch, in das ich mich gleich eintrug. Eine KĂĽhlbox mit der Aufschrift â€śPCT” stand ebenfalls herum, war aber leer.

Um zu bleiben war es mir mit 15:00 Uhr noch zu früh, obwohl es ein wenig dazu einlud. Direkt daneben floss der Meadow Creek – und mal in einem Shelter zu übernachten, wäre auch nice gewesen.

Also ging es nach der kurzen Inspektion weiter.

Ich erreichte die Norse Peak Wilderness. Auch hier hatte ein Feuer vor einigen Jahren weite Teile des Waldes zerstört.

In der FarOut-App wird oft davon abgeraten, in einer Burn Zone zu campen. Es sei zu gefährlich, da die verbrannten Baumstämme schnell umfallen und zu sogenannten â€žWidow Makern“ werden können.

Aufgrund der heute bereits zurückgelegten Kilometer und der späten Tageszeit deutete alles darauf hin, dass ich zwischen den schwarzen Stämmen nächtigen würde – es sei denn, ich würde noch durch die Burn Zone weiterlaufen, was allerdings noch einen zusätzlichen Kilometer bedeutet hätte.

Laut App gab es zwei Spots nah beieinander. Bei einem sollte eine kleine Wasserquelle sein – die entdeckte ich auch schnell.

Nur noch rund 50 Meter entfernt, schlug ich dann zufrieden mein Zelt auf.

Bevor es mein Cold-Soaked-Dinner gab, ging ich noch einmal zurĂĽck zum Creek und wusch meine Beine und FĂĽĂźe.

Heute Abend bekam ich tatsächlich noch Gesellschaft. Todd, ein Amerikaner mit deutschen Wurzeln, schlug auf dem freien Spot neben mir sein Lager auf. Solche Begegnungen sind selten. Ich treffe wenig andere Wanderer und bin die meiste Zeit alleine.

Beim Essen schaute ich nochmal in die App und bemerkte: 500 km geschafft â€“ vom Northern Terminus bis hier.

Mit diesem guten GefĂĽhl schlĂĽpfte ich um 19:30 Uhr ins Zelt.

Geweckt wurde ich unbewusst von einem bezaubernden Sternenhimmel.



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Tageskilometer   41,97 km

Gesamtkilometer   554,92 km

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English Version:

A cloud in the evening is followed by a sunrise in the morning.

At 5:30 a.m., I was greeted by the rising sun – and getting up felt instantly easier.

An hour later, I was ready to go and continued on my way.

After just two or three steps, the next highlight appeared, the one that would accompany me through the day.

Could it get any betterâť•

Mount Rainier remains one of my favorite mountains in Washington – and someday I’ll stand up there at 4,293 meters.

But not today, because I had to keep moving…

Today, forested sections alternated with wide, open views. A day to savor – and yet still exhausting.

A small side trail led to a water source. My supply was almost gone, so I took the detour before the trail climbed steeply again.

It was my nephew’s birthday today, and I hoped that higher up I’d have signal to call him.

I was surrounded by the Blowout Mountains, and yes, it was truly breathtakingly beautiful.

Higher up, I actually did get reception, but my sister didn’t answer.

So I let my gaze wander and searched for Mount Rainier, which appeared again and again on the horizon.

Slowly, hunger began to set in, and I looked for a suitable spot. Not with a view of the mountain, but still a nice place.

After a break from 11:00 to 11:30 a.m., I tackled the next climb – up to Green Pass.

The pass itself wasn’t spectacular, and then it was back downhill.

A little statement about the ups and downs in Washington:

VIDEO

It went up and down, and in between I crossed a few forest roads – without seeing a single soul.

By 1:00 p.m., I felt a bit hungry again and stopped for a snack.

After just 15 minutes, I continued and reached the Windy Gap Area, which had been destroyed in 1988 by the so-called Falls Creek Fire.

The black, bare tree trunks are still silent witnesses to the event. At the same time, it’s clear to see how nature is slowly recovering and new life is emerging.

That section was fairly short, and I returned to the more vegetated terrain.

Along the way, I found a small packet of coffee and took it with me. Whether I’d drink it or not – the LNT principle (Leave No Trace) forced me to pick it up.

The afternoon passed, and I was so in the flow that I barely noticed the time passing.

Suddenly, I came across this sign, and my mind started racing:

WANTED!
MURDERER!
MANHUNT!

In June, while I was still in Germany, the PCT Facebook groups had been flooded with news:

Three young children had been murdered near the town of Leavenworth – not far from the Pacific Crest Trail.

The father/perpetrator was on the run, and the PCT as well as numerous other trails in the area were closed:

Pacific Crest Trail Closure
Per the Okanogan County Sheriff’s Office: “

Authorities believe Decker may be traveling along or near the Pacific Crest Trail (PCT) and could be anywhere in its vicinity."

The Pacific Crest Trail Association says that the PCT north of Stehekin has been closed due to the manhunt.

From Germany, I followed the news and hoped the perpetrator would be caught soon.

By late June, when I arrived on the trail, everything was open again – but the suspect was still at large.

I had pushed it out of my mind, but now it came rushing back – head cinema ON!

"He certainly won't stop for a PCT hiker after he's already killed his own children!"

Still, I wasn’t scared – and no, I wasn’t armed.

And yet, it was a strange feeling when I reached the Naches Trail parking lot and saw just one person – and no cars for miles.

I simply kept walking, but glanced back once or twice. No one followed, and a few steps later, I saw a pitched tent and felt a bit more at ease.

On my left, a building appeared. I checked my app and discovered it was the Ulrich Cabin, designated as an Emergency Shelter.

I went inside – the door was open. A PCT logbook lay there, and I signed it immediately. A cooler labeled “PCT” was also there – but it was empty.

At 3:00 p.m., it was still too early for me to stay, even though the spot was inviting. 

The Meadow Creek flowed right next to the shelter – and spending a night in a shelter would have been nice.

So I continued after a short inspection.

I reached the Norse Peak Wilderness. Here too, a fire years ago had destroyed large parts of the forest.

The FarOut app often advises against camping in a burn zone. It’s too dangerous, as the burned tree trunks can fall quickly and become so-called “Widow Makers.”

Given the kilometers I had already covered today and the time of day, it looked like I would spend the night among the blackened trunks – unless I walked through the burn zone, which would have added another kilometer.

According to the app, there were two spots close to each other. I quickly found the one with a small water source.

Just 50 meters away, I happily pitched my tent.

Before my cold-soaked dinner, I went back to the creek to wash my legs and feet.

That evening, I actually got some company. Todd, an American with German roots, set up his tent on the free spot next to me. Such encounters are rare – I meet few other hikers and am alone most of the time.

While eating, I checked my app again and realized: 500 km done – from the Northern Terminus to here.

With that good feeling, I crawled into my tent at 7:30 p.m.

I was awakened, unconsciously, by a stunning starry sky.

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