22.07.2025

Ich wachte auf und hörte Geräusche. Ein Blick aus dem Zelt offenbarte den Grund - die beiden anderen Hiker, die ebenfalls an diesem Spot genächtigt hatten, waren schon fast wieder aufbruchbereit. Und das um 5:00 Uhr 👀

Ich dachte, ich sei früh.

Es war frisch an diesem Morgen, als ich mit Mütze und Jacke aus dem Zelt kroch. Die Sonne bahnte sich langsam ihren Weg durch die Bäume, und ich trank in Ruhe meinen Kaffee.

Als Letzte räumte ich das Feld, und es ging weiter gen Süden. Der Tag blieb weiterhin waldlastig, mit ein paar traumhaften Ausnahmen – und das gleich zu Beginn.

Hier schimmerte der Vulkan Mount St. Helens durch.

Und hier erhebt sich - in weiter Ferne - der Mt. Hood in Oregon.

Sogar der Mt. Adams begrüßte mich heute Morgen - Schritt für Schritt ließ ich ihn hinter mir.

Die Berry Mountains lagen bald hinter mir, und ich folgte abwärtsführenden Switchbacks.

Auch wenn bis zum nächsten Campspot noch 850 Hm Aufstieg warteten - überwog klar die Abwärtsbewegung – insgesamt 1900 Hm ging es heute runter.

Auch heute zeigte sich das Wasser wieder als knappes Gut. Am letzten Spot nahm ich Wasser aus dem See und ließ einen weiteren Pond nach zwei Kilometern links liegen. Ich hatte ja genug.

Vor mir liegen nun fast 25 km bis zum nächsten Wasser.

Das Gute war - es ging bergab und ich war hauptsächlich im Schatten.

Auf dem Trail begegnete ich heute mehreren Hikern – Thru Hiker, Section Hiker und sogar ein deutschsprachiges Wesen war unter ihnen. Wir tauschten uns kurz über dies und das rund um den Trail aus.

Eine etwas besorgt wirkende Hikerin fragte mich, wann die nächste Wasserquelle käme. Ich sagte ehrlich, dass es noch dauern würde – zumal es für sie bergauf ging. Sie nickte, blieb zuversichtlich und setzte ihren Weg fort.

Ich kreuzte das Crest Camp. Hier gab es Tische und auch eine Pit Toilet.
Für mich um 9:30 Uhr keine Option.

Weiter durch den Wald und bergab.

Mein zweites Frühstück offenbarte sich am Wegesrand -  Huckelberries.

Ich hab ordentlich zugeschlagen, bis meine Zähen blau waren.

Fast wäre ich in ein Spinnennetz gelaufen, das quer über dem Weg hing.

Der Weg stieg an, und ich hoffte, oben einen schönen Platz für eine Pause zu finden.

Laut FarOut wartete oben ein Camp - also war ich sehr zuversichtlich.

Oben gab es einen schönen Platz, und ich ließ mich um 11:30 Uhr für eine Pause nieder.

Wasser gab es hier keines, und den Big Huckleberry Mountain konnte ich auch nicht sehen.

Egal…

Oregon war zum Greifen nahe - und doch heute noch nicht für mich erreichbar.

Nach 25 min hielt mich nichts mehr und ich nahm den Abstieg in Angriff - durch Wald.

Plötzlich tauchte ein Squirrel auf dem Weg auf. Es wirkte fast zutraulich - völlig regungslos.

Als es mich als „Gefahr“ erkannte, rannte es blitzschnell davon und war nie wieder zu sehen.

Noch einmal öffnete sich der Blick und schenkte mir eine wunderschöne, weite Aussicht, dann verschwand ich endgültig im Wald.

In den nächsten Stunden kreuzte ich Dirt Roads und Trailheads. 

Um 15:00 Uhr erreichte ich die Wasserquelle am Panther Creek. Ich hatte nur noch einen kleinen Schluck Wasser in der Flasche und freute mich sehr auf das frische Nass.

Ich machte eine halbe Stunde Pause und plauderte mit einem NOBO-Pärchen, das sich gerade im Fluss erfrischt hatte – nackt!

Während wir uns unterhielten, hatten sie sich aber schon wieder angezogen.

In der Nähe gab es den Panther Creek Campground, der für ein paar Dollars einen eigenen Spot mit Tisch bot. Auch eine Pit Toilet wäre vorhanden.

Mich zog es jedoch weiter – der Spot am Trout Creek klang auch verlockend - ebenfalls mit Tischen.

Immer häufiger kreuzten Straßen meinen Weg auf dem PCT – ein deutliches Zeichen, dass die Zivilisation näher rückte. Auch waren mehr Menschen unterwegs - wenn auch noch in überschaubarer Zahl.

An der nächsten Straße konnte ich von weitem erkennen, dass etwas auf einem Baumstumpf lag.

✨TRAILMAGIC✨

Jemand hatte getrocknete Apfelstückchen zum Mitnehmen bereitgelegt.

Glücklich darüber, dass es keine Schokoriegel oder sonstiger Süßkram war – wie meistens – schnappte ich mir eine Tüte und aß sie gleich beim Weitergehen.

Die Überquerung des Wind River verlief problemlos über die Brücke, doch den Campspot hier ließ ich links liegen.

Abgesehen davon waren es jetzt nur noch knapp 5 km bis zum Trout Creek.

"Almost there!" ... wie die Amis zu sagen pflegen.

Um 17:10 Uhr stoppte ich meine Gamin und ging über die Brücke auf die andere Seite des Trout Creeks.

Tische gab es hier nicht, dafür aber viele andere Hiker, die eine Seite des Platzes bereits vollständig belegten.

Auf der anderen Seite stand nur ein Zelt von einer Hikerin , allerdings auf der einzigen ebenen Stelle. Sie bot mir an, meines daneben aufzubauen, aber das hätte nicht gepasst.

Also nahm ich die leicht schiefe Fläche und baute mein Zelt auf.

Es war echt warm, wie ich feststellte, und so machte ich es den nackten Hikern von vorhin nach – fast jedenfalls. Ich zog nur meinen Sun-Hoodie aus und wusch ihn im Fluss.

Zum Trocken hing ich es an einem Baum.

Ich überschaute mein Essen und merkte, dass ich noch einiges „zuviel“ dabei hatte – ich kam ja schneller voran als geplant.

Weil ich wirklich Hunger hatte, gönnte ich mir erstmal ein paar Chips als Vorspeise, bevor das große Curry folgen sollte.

Bis Oregon waren es nur noch 47 km – durchaus morgen machbar.

Selbst wenn ich heute ordentlich zugreife, würde das Essen auch noch bis Übermorgen reichen.

Während ich noch so vor mich hin wuselte, kam eine Hikerin herüber und fragte, ob ich mit ihnen essen wollte.

Ich freute mich über das Angebot und schnappte meine Kochsachen.

Ein wirklich nettes Beisammensitzen mit "fremden" Menschen. Wir sprachen über das, was uns alle verband – den Trail.

Obwohl die meisten Section Hiker waren, tat es richtig gut, sich auszutauschen.

Gegen 19:30 Uhr bedankte ich mich für den schönen Abend und verabschiedete mich in Richtung Zelt.

Sollte ich wirklich die 47 km morgen angehen, möchte ich - wie immer - früh starten.


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Tageskilometer   44,77 km

Gesamtkilometer  815,93 km 

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English Version:

I woke up and heard noises. A glance outside the tent revealed the reason – the two other hikers who had also spent the night at this spot were almost ready to leave. 

And it was 5:00 a.m. 👀

I thought I was early.

It was chilly that morning as I crawled out of the tent with my beanie and jacket. The sun slowly made its way through the trees, and I sipped my coffee in peace.

I was the last to pack up, and then I continued south. The day remained mostly forested, with a few breathtaking spots – right at the start.

Through the trees, the volcano Mount St. Helens shimmered.

And in the far distance, Mount Hood rose in Oregon.

Even Mount Adams greeted me that morning – step by step, I left it behind.

The Berry Mountains soon lay behind me as I followed a series of downward switchbacks.

Even though there were still 850 meters of uphill to my next campsite, the day’s direction was clearly downhill – a total of 1,900 meters descended today.

Water was once again a scarce resource. At my last stop, I filtered water from a lake and skipped a pond about two kilometers later – I had enough.

From here, nearly 25 kilometers lay between me and the next water source.

The good part: it was downhill, and I stayed mostly in the shade.

On the trail, I met several hikers – Thru-Hikers, Section-Hikers, and even a German-speaking hiker among them. We chatted briefly about this and that, all trail-related.

A slightly concerned hiker asked me when the next water source would come. I was honest: it would take a while, especially since it was uphill for her. She nodded, stayed optimistic, and continued on.

I passed Crest Camp. There were tables and even a pit toilet. Not an option for me at 9:30 a.m.

Further downhill through the forest.

My second breakfast appeared along the way – huckleberries.

I indulged until my teeth turned blue.

Almost, I would have walked right into a spiderweb hanging across the trail.

The trail started climbing, and I hoped to find a nice spot for a break at the top.

According to FarOut, a campsite awaited at the top, so I was very optimistic.

Finally, there was a beautiful spot, and I settled down for a break at 11:30 a.m.

No water here, and Big Huckleberry Mountain was nowhere to be seen.

Doesn’t matter…

Oregon was within reach, yet still not today.

After 25 minutes, I couldn’t stay any longer and began the descent through the forest.

Suddenly, a squirrel appeared on the trail. It seemed almost tame – completely motionless.

When it recognized me as a “threat,” it darted away in a flash and was never seen again.

Once more, the view opened up, offering a stunning, wide panorama, before I disappeared entirely into the forest.

In the following hours, I crossed dirt roads and trailheads.

At 3:00 p.m., I reached the water source at Panther Creek. My bottle had only a small sip left, and I was thrilled for the fresh water.

I took a half-hour break and chatted with a NOBO couple who had just cooled off in the creek – naked!

By the time we were talking, they were dressed again.

Nearby was the Panther Creek Campground, which offered a private spot with a table for a few dollars, plus a pit toilet.

But I was drawn further – the spot at Trout Creek looked even more appealing, also with tables.

Increasingly, roads began to cross the PCT – a clear sign I was getting closer to civilization. More people were out and about too, though still in manageable numbers.

At the next road, I spotted something lying on a tree stump from a distance.

TRAIL MAGIC!

Someone had left dried apple pieces to take along.

Happy that it wasn’t chocolate or other sugary snacks – as is usually the case – I grabbed a bag and ate it while walking.

Crossing the Wind River over the bridge was easy, but I skipped the campsite here.

From there, it was now only about 5 kilometers to Trout Creek.

"Almost there!" … as Americans like to say.

At 5:10 p.m., I stopped my Garmin and crossed the bridge to the other side of Trout Creek.

There were no tables here, but many hikers had already taken one side of the site.

On the other side, there was only one hiker’s tent, set up on the only flat spot. She offered me to pitch mine next to hers, but it wouldn’t have fit.

So I took the slightly sloped area and set up my tent.

It was really warm, and I decided to imitate the naked hikers from earlier – almost. I only took off my sun hoodie and washed it in the creek.

I hung it on a tree to dry.

I checked my food and realized I still had more than enough – I had been making faster progress than planned.

Since I was truly hungry, I started with some chips as an appetizer before cooking the big curry later.

Only 47 kilometers left to Oregon – doable tomorrow.

Even if I ate a lot today, my food would still last until the day after tomorrow.

While I was busy preparing, a hiker came over and asked if I wanted to join them for dinner.

I gladly accepted and grabbed my cooking gear.

It was really nice sitting together with “strangers". 

We talked about what connected us all – the trail.

Even though most were Section-Hikers, it felt great to exchange experiences.

Around 7:30 p.m., I thanked everyone for the lovely evening and headed back to my tent.

If I really go for the 47 kilometers tomorrow, I plan – as always – to start early.


Daily kilometers: 44.77 km

Total kilometers: 815.93 km

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