23.07.2025
Ja, ich bin heute die 47 km bis Oregon gelaufen - wie man auf dem Titelbild erkennen kann.
Die Bridge Of The Gods ist die Grenze zwischen den Staaten Washington und Oregon.
812 km hatte ich zu diesem Zeitpunkt hinter mir - 3450 km to go.
Um 5:15 Uhr klingelte der Wecker. Ich packte alles zusammen, gönnte mir noch einen Kaffee – und dann ging’s auch schon los.

Auch wenn ich mir noch einredete, dass ich vielleicht noch eine Nacht „draußen“ verbringen würde, wusste ich insgeheim, dass ich die 47 km heute laufen werde.
Die Vorfreude darauf, den ersten Staat geschafft zu haben, war einfach zu groß.


Der Himmel strahlte blau, doch die ersten Kilometer blieb ich größtenteils unter den Baumkronen.

Heute warteten zwei Steigungen und der Abstieg nach Cascade Locks auf mich. Insgesamt erklomm ich 1.760 Höhenmeter und ging 2.050 Meter abwärts.
Für meine Blasen, die mittlerweile ein paar Freunde hatten, war das alles andere als angenehm.


Es war inzwischen schon ordentlich warm, und für Cascade Locks waren 30 °C angesagt - genau mein Wetter👀
Aber erstmal gab es noch ein zweites Frühstück-To-Go auf dem Weg - Heidelbeeren.


Nach vier Stunden machte ich eine erste Pause. Ich hatte Hunger und aß meinen vorbereiteten cold-soaked Mango-Reis.
Dafür hatte ich mir ein Plätzchen am Rock Creek gesucht, um gleich frisches Wasser zu filtern.

Nach rund 20 Minuten Pause folgte der zweite Anstieg mit weiteren 600 Höhenmetern.
Es war der letzte des Tages - und auch der letzte in Washington.



Nach 1:40 Stunden hatte ich mich step-by-step nach oben gearbeitet und wurde mit einer fantastischen Aussicht belohnt.


Ich kreuzte ein paar Dirt-Roads und folgte dem Trail weiter durch den Wald.


Und dann stellte ich in meiner App fest, dass ich noch gar nicht ganz oben war - zu früh gefreut.

Also weiter… plötzlich öffnete sich der Weg - schön anzusehen, aber wirklich sehr warm.



Es folgten immer wieder kurze, schattige Passagen, über die ich mich freute – besonders über dieses GRÜN hier:

Und dann war ich „oben“ und machte um 13:30 Uhr eine zweite Pause im Schatten. Hier gab es auch einen Campspot, der in der App eingezeichnet war – allerdings DRY.


Nach 20 Minuten ging es weiter – 17 Kilometer noch bis Oregon. Ein richtig gutes Gefühl, besonders, weil es ab hier hauptsächlich bergab ging.
Und plötzlich hatte ich Sicht auf den Columbia River

Sonne und Schatten lösten sich weiter einander ab - dabei ging es kontinuierlich bergab.


Ich traf einige NOBOs, die im Schatten pausierten. Tauschen wollte ich mit ihnen nicht – selbst bergab war die Hitze für mich kaum zu ertragen.

Das Ziel in greifbarer Nähe.

Ich nutzte einen kleinen Creek, um meinen Kopf zu kühlen. An diese Wärme war ich nicht gewöhnt.


Es folgten ein paar Switchbacks, steinige Wege und Brücken.




Washington verabschiedete sich mit allem, was noch einmal weh tat.
Ein kurzer Aufstieg in der prallen Sonne ließ mich fast verzweifeln, weil ich einfach nur müde war und ankommen wollte.

Als Entschädigung gab es Schatten und wilde Brombeeren. Das war richtig lecker.

NOCH 1.5 mi bis zur Brücke - bis Oregon.

Aber der Weg zog sich weiter und warf mir noch ein paar Dornenbüsche vor die Füße.
Ich konnte schon die Autos auf dem Evergreen Hwy hören.


Weiter und weiter bis ich die Straße sah - und dann das Schild.


Zack – Tränen in den Augen.
Gefühle überall.
Ich hatte es fast geschafft.
Ich bin durch Washington gelaufen.
Zu Fuß.
812 Kilometer‼️
Wer macht sowas ⁉️


Und als ich um die Ecke blicke, sah ich die Brücke und wusste, dass ich es geschafft hatte.

Es war 18:10 Uhr und ich war nicht mehr aufzuhalten - es ging hinüber.
Die Brücke durfte von Fußgängern überquert werden, vorsichtig entgegen dem Verkehr, denn einen Fußweg gab es nicht.
Es war mir egal – ich wollte einfach nur nach Oregon.


Auf der anderen Seite orientierte ich mich kurz und schaute bei Google Maps nach dem Supermarkt.

Dort wollte mich Heather abholen.
Heather ist eine Trail Angel – eine wundervolle Person.
Also fragte ich in der Facebook-Gruppe der Columbia Gorge Trail Angels nach.
Heather meldete sich und bot mir an, bei ihr zu übernachten, so lange ich wollte.
Schon Tage zuvor hatte ich in Cascade Locks nach einer Unterkunft gesucht und war über die horrenden Preise der wenigen Motels gestolpert.
Wenn ich in Cascade Locks ankäme, würde sie mich am Supermarkt abholen.
An so viel Gastfreundschaft war ich nicht gewöhnt, sagte aber glücklich zu.

Ich fand den Supermarkt schnell – die Stadt ist nicht wirklich groß – und ging hinein.
Etwas überfordert von der Auswahl verließ ich das Geschäft mit Obst und einer Tüte Chips.

Mehr brauchte ich heute nicht, und verschob die Einkäufe auf morgen.
Morgen war ein ZERO geplant, denn ich wollte zwei Nächte hier bleiben.
Heather tauchte fünf Minuten nach meiner Nachricht auf.
Fünf Minuten später waren wir bei ihr zu Hause, und sie zeigte mir mein Reich für die nächsten zwei Tage.
Ein eigenes Schlafzimmer, ein eigenes Bad – alles war wundervoll, und ich war überglücklich.


Nach der Dusche und dem Ankommen durfte ich mitessen.
Ein veganes Curry wurde zubereitet.
Heathers Mann war ebenfalls da, und wir verbrachten einen langen, netten und unterhaltsamen Abend.
Gegen 21:30 Uhr fiel ich müde und dankbar ins Bett.
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Tageskilometer 46,96 km
Gesamtkilometer 862,89 km
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English Version:
Yes, I hiked the 47 km to Oregon today – as you can see in the cover photo.
The Bridge of the Gods marks the border between Washington and Oregon.
By this point, I had already walked 812 km – 3,450 km to go.
At 5:15 a.m., the alarm went off. I packed everything, enjoyed a cup of coffee – and then I was off.
Even though I kept telling myself I might spend another night “outside,” deep down I knew already I would hike the 47 km today.
The anticipation of having finished my first state was just too great.
The sky was bright blue, but for the first few kilometers I stayed mostly under the tree canopy.
Today, two climbs awaited me, plus the descent into Cascade Locks. In total, I climbed 1,760 meters and descended 2,050 meters.
For my blisters, which by now had a few friends of their own, that was far from comfortable.
It had gotten quite warm, and Cascade Locks was forecasted to reach 30°C – my kind of weather 👀
But first, there was a second breakfast to-go along the way – blueberries.
After four hours, I took my first break. I was hungry and ate my pre-prepared cold-soaked mango rice.
I found a spot by Rock Creek to filter some fresh water.
About 20 minutes later, the second climb began, with another 600 meters of elevation gain.
It was the last climb of the day – and the last in Washington.
After 1 hour and 40 minutes, I had worked my way up step by step and was rewarded with a fantastic view.
I crossed a few dirt roads and continued following the trail through the forest.
Then I realized on my app that I wasn’t actually at the top yet – premature celebration.
So, onward… suddenly the trail opened up – beautiful to see, but really hot.
There were occasional short, shady sections that I welcomed – especially this GREEN here: VIDEO !!!
Then I reached the “top” and took my second break in the shade at 1:30 p.m. There was also a campsite marked on the app – but DRY.
After 20 minutes, I continued – 17 km to Oregon. A really good feeling, especially since it was mostly downhill from here.
And suddenly, I had a view of the Columbia River.
Sun and shade alternated continuously – all while going steadily downhill.
I met a few NOBOs resting in the shade. I wouldn’t have traded with them – even downhill, the heat was barely bearable for me.
The goal was within reach.
I used a small creek to cool my head. I wasn’t used to this kind of heat.
There were a few switchbacks, rocky paths, and bridges.
Washington gave me one last farewell with everything that still hurt.
A short climb in the blazing sun almost made me despair – I was just so tired and wanted to arrive.
As compensation, there was shade and wild blackberries. Truly delicious.
ONLY 1.5 mi to the bridge – to Oregon.
But the trail dragged on and threw a few thorn bushes in my path.
I could already hear the cars on Evergreen Hwy.
Further and further until I saw the road – and then the sign.
Zack – tears in my eyes.
Emotions everywhere.
I had almost made it.
I walked through Washington.
On foot.
812 km‼️
Who does something like this ⁉️
And as I rounded the corner, I saw the bridge and knew I had made it.
It was 6:10 p.m., and I was unstoppable – I crossed.
The bridge could be crossed by pedestrians, carefully against the oncoming traffic, since there was no sidewalk.
I didn’t care – I just wanted to get to Oregon.
On the other side, I oriented myself briefly and checked Google Maps for the supermarket.
That’s where Heather was going to pick me up.
Heather is a Trail Angel – a wonderful person.
A few days earlier, I had searched for a place to stay in Cascade Locks and stumbled over the exorbitant prices of the few motels.
So I asked in the Facebook group of the Columbia Gorge Trail Angels.
Heather replied and offered me to stay at her place – as long as I wanted.
If I arrived in Cascade Locks, she would pick me up at the supermarket.
I wasn’t used to such hospitality, but I happily accepted.
I found the supermarket quickly – the town isn’t really big – and went inside.
Somewhat overwhelmed by all the options, I left with fruit and a bag of chips.
I didn’t need much more today and postponed the rest of the shopping until tomorrow.
Tomorrow was going to be a ZERO day – I planned to stay here for two nights.
Heather appeared five minutes after I messaged her.
Five minutes later, we were at her house, and she showed me my kingdom for the next two days.
A private bedroom and bathroom. Everything was wonderful, and I was overjoyed.
After showering and settling in, I was invited to dinner.
A vegan curry had been prepared.
Heather’s husband was also there, and we spent a long, pleasant, and chatty evening together.
By 9:30 p.m., I fell into bed, tired and grateful.
Daily mileage: 46.96 km
Total mileage: 862.89 km