20.07.2025
Auch heute wird der Mt. Adams dominieren, denn ich befinde mich bereits in der Mt. Adams Wilderness.
Schon seit langer Zeit hatte ich auf meiner Google Map ein sog. „Must-Do“-Fähnchen: den Mt. Adams eines Tages zu erwandern – auf einem meiner vergangenen Roadtrips durch die USA.
Es hat sich nie ergeben … bis heute!
5:15 Uhr - Auf gehts!
Aber zuerst die Morgenroutine: ein Cat Hole buddeln.
Toiletten gibt es hier draußen schließlich keine.

Um 5:45 Uhr war ich fast wieder startklar und verstaute alles zurück im Rucksack.

Der Wetterbericht versprach bewölkten Himmel und leichten Regen, spätestens am Abend.
Klingt nach einem guten Grund, in Trout Lake Halt zu machen, bevor ich abends im Regen im Zelt sitze.
Trout Lake war kein geplanter Halt. Aber Pläne ändern sich schnell hier draußen.
Es ging los.Hinter einer Kurve: eine vertrauenserweckende – ehemalige – Brücke.
Der Muddy Fork darunter machte klar, dass Furten keine gute Idee war. Zu wild, zu schnell.

Leicht rutschig. Ein Schritt nach dem anderen, gestützt von den Trekkingstöcken.
Dann war ich drüben – sicher, mit trockenen Füßen.
Nach dem aufregenden Start freute ich mich über das "entspannte" Weiterkommen.

Ich traf auf ein älteres Hiker-Pärchen. Er war Highschool Teacher und sie Hausfrau.
Sie fragten mich, ob ich einem kurzen „Interview“ zustimmen würde, das er als kleines Schulprojekt betitelte.
Ich stimmte zu, und es folgten allgemeine Fragen: woher ich komme, was ich mache und warum.
Beide waren super nett und nahmen mir etwas die Nervosität vor dem Adams Creek Crossing.
Ja, der Fluss hat ordentlich Strömung und eine Brücke gibt’s dort nämlich nicht.
Ich verabschiedete mich, stöpselte mir ein Hörbuch ins Ohr und ging weiter.
Bis zum Crossing waren es noch gut 10 km.


Es blieb erstmal recht waldig und eben. Hier und da schimmerte der Mt. Adams durch die Bäume.



Und dann stand der Berg plötzlich vor mir – riesig.
LIVE davorzustehen ist etwas völlig anderes – überwältigend.


Ich konnte mich kaum losreißen von diesem Anblick, aber ging natürlich weiter.

Abgesehen davon blieb mir der Mt. Adams heute noch eine Weile treu.


Plötzlich tauchte ein weiterer Berg am Horizont auf. Nicht der Vulkan St. Helens – der wäre seitlich von mir gewesen.
Nach kurzer Überlegung und einem Blick auf die Karte war klar: Es ist der Mt. Hood.
Ein Berg, der zu meinen Favoriten gehört und den ich schon von zahlreichen Roadtrips kenne.
Übrigens liegt er in Oregon.

Trotz der heutigen Wolkendecke am Himmel machte die Aussicht alles wett.


Ich erreichte den Adams Creek und der erste Anblick ließ mich ein wenig erstarren. Die Erinnerung an das fast misslungene Creek Crossing am Cascade Creek saß mir noch tief in den Beinen.
Nach kurzem Suchen fand ich eine sichere Überquerung. Über den ersten Stream nutzte ich einen Baumstamm, beim zweiten half mir ein kleiner Sprung von Stein zu Stein.

Happy über das "einfache" Crossing tapste ich leichten Fußes weiter.




Um 10:00 Uhr machte ich meine erste Pause zwischen Gesteinen, die mir eine Sitzgelegenheit boten.


Dahinter schlängelte sich der Weg eine Weile neben einem kleinen Creek entlang und führte leicht bergab. Die Bäume wurden dichter, und ich musste wieder etwas klettern.


Die Wolken sanken langsam tiefer und hüllten den Mt. Adams von oben ein.

Es folgte eine Burn Zone – sie erinnerte mich stark an Section K.
Überall lagen umgefallene Bäume quer über den Weg.




Bevor der letzte Abstieg des Tages begann, gönnte ich mir noch einen kurzen Halt, um die Aussicht zu genießen.


Die Burn Zone setzte sich fort und wurde leider noch wilder.
Auch wenn die Stämme eher dünn waren, war das Überklettern nicht einfach. Sie bewegten sich, sobald man auf ihnen stand. Das ließ sich manchmal aber nicht vermeiden, da sie oft dicht hintereinander lagen.


Ich fluchte, kletterte aber einfach weiter – blieb mir ja nichts anderes übrig.
Nachdem das Gelände wieder leichter wurde, begegnete ich einem Day-Hiker-Pärchen. Sie kamen aus der Gegend und wollten sich einen Eindruck vom Ausmaß der umgestürzten Bäume machen.Sie gehörten zur Trout Lake Crew, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Thru-Hiker zu unterstützen, indem sie mit eigenen Mitteln die Wege von Bäumen befreiten.
Die PCTA, die normalerweise diese Arbeit übernimmt, hatte in diesem Jahr zu wenig Mittel, um dem natürlichen Chaos auf dem Trail Herr zu werden.
So hatten sich die Leute in Trout Lake zusammengeschlossen und selbst Hand angelegt.
Danke dafür!


Schon bald verließ ich die wunderschöne Mt. Adams Wilderness und machte mich auf den Weg zur Straße, die nach Trout Lake führte. Ich erreichte den nördlichen Trailhead um 14:45 Uhr.


Die Trail Angels von Trout Lake hatten alles bestens organisiert. Am Trailhead hing eine Liste mit Telefonnummern, die selbst ohne Empfang über den Satellitenmessenger inReach erreichbar waren.
Ich tippte die erste Nummer ein und wartete auf eine Antwort.


Es kam keine, dafür tauchte aber nach 10 min ein PCT NOBO Hiker von dem nördlichen Trailhead auf. Er hätte gerade Kontakt mit einem Trail Angel gehabt, der in etwa 15 Minuten hier sein würde. Er hatte bestimmt Platz für zwei.
Nach ca. 2 min erschien ein Fahrzeug und lud drei Hiker aus - SOBOs.
Der Fahrer fragte, ob wir ein Shuttle nach Trout Lake bräuchten – und tatsächlich war er genau der Trail Angel, den ich vorher kontaktiert hatte.
Ich nahm das Angebot an, doch der andere NOBO wartete weiter. Er wollte nicht, dass der Trail Angel umsonst kommt. Hätte ich genauso gemacht – das ist die übliche Hiker-Trail-Angel-Etikette.
Die Fahrt dauerte etwa 20 Minuten, während Larry mir alles erklärte, was ein Hiker über Trout Lake wissen sollte.
Seltsamerweise hatte mein Handy keinen Empfang, also musste ich bis zum Store warten, um mir über WLAN ein Motel zu buchen.
Es gäbe zwar die Option, hinter dem Grocery zu zelten, doch dann hätte ich genauso gut auf dem Trail bleiben können. Ich wollte schließlich dem Regen entkommen.
Von den drei Unterkünften wählte ich das günstigste für 120 Euro. Nachdem ich noch ein, zwei Sachen im Store gekauft hatte, fuhr mich Larry dorthin.
Ich hatte durchgehend das Bedürfnis nach salzigen Chips 👀.
Offensichtlich fehlten meinem Körper Salz und Kohlenhydrate.

Am Trout Lake Valley Inn angekommen, stimmte ich mit Larry ab, wann er mich morgen zurück zum Trailhead fahren würde.Ich wollte nur für eine Nacht hierbleiben.

Die Dame beim Check-in war super nett und kannte sich mit Hikern aus. Sie bot mir gleich noch Kleingeld und Waschmittel für die Waschmaschine an, was ich dankend annahm.
Das Zimmer war großartig, und der Preis schien gerechtfertigt.
Ich ging zuerst duschen und wusch danach meine Wäsche. Währenddessen leerte ich die Tüte Chips und überlegte, was ich zum Abendessen essen wollte.


Gegen 18:00 Uhr gönnte ich mir bei einer Pizzeria in der Nähe einen Salat und aß ihn entspannt in meinem Zimmer.
Den Rest des Abends verbrachte ich online, aktualisierte meinen WhatsApp-Status und plante grob die nächsten Tage bis nach Oregon.
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Tageskilometer 30,96 km
Gesamtkilometer 733,18 km
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English Version:
Even today, Mt. Adams would dominate the view, because I was already in the Mt. Adams Wilderness.
For a long time, I had a “Must-Do” flag pinned on my Google Map: to hike here someday on one of my past road trips through the USA.
It never happened… until today!
5:15 a.m. – Let’s go!
But first, the morning routine: digging a cat hole.
After all, there are no toilets out here.
By 5:45 a.m., I was almost ready to go and packed everything back into my backpack.
The weather forecast promised cloudy skies and light rain, starting no later than the evening.
Sounds like a good reason to stop in Trout Lake before sitting in the tent in the rain tonight.
Trout Lake wasn’t on my original plan. But plans change fast out here.
I set off.
Around a curve, I came across a trust-inspiring — former — bridge.
The Muddy Fork beneath it made it clear that fording wasn’t a good idea. Too wild, too fast.
Slightly slippery. One step at a time, supported by trekking poles.
Then I was across — safe, dry feet.
After the thrilling start, I was happy to continue at a more “relaxed” pace.
I ran into an older hiker couple. He was a high school teacher, she a homemaker.
They asked if I would agree to a short “interview,” which he called a small school project.
I agreed, and the questions were general: where I’m from, what I do, and why I hike.
Both were very kind and eased my nerves about the Adams Creek Crossing.Yes, that river has a strong current — and there’s no bridge there.
I said goodbye, plugged in an audiobook, and continued.
It was still about 10 km to the crossing.
At first, the trail remained quite wooded and level. Here and there, Mt. Adams peeked through the trees.
And then the mountain suddenly appeared — huge.
Standing in front of it LIVE is something entirely different — overwhelming.
I could hardly tear myself away from the view but kept moving, of course.
Besides that, Mt. Adams stayed with me for a while that day.Suddenly, another mountain appeared on the horizon. Not Mount St. Helens — that would have been to the side.
After a quick check of the map, it was clear: it’s Mt. Hood.Another favorite mountain of mine, already familiar from many road trips.
By the way, it’s located in Oregon.
Despite the cloudy sky, the view made up for everything.I reached Adams Creek, and the first sight made me freeze a little. The memory of the almost-failed crossing at Cascade Creek was still heavy in my legs.
After a short search, I found a safe crossing. Over the first stream, I used a log; the second, a small hop from stone to stone.
Happy about the “easy” crossing, I continued lightly.
10:00 a.m. – first break
I took a short rest on some rocks, which offered a good seat.
Afterward, the trail wound alongside a small creek for a while and gently descended. The trees thickened, and I had to do a little climbing again.
The clouds sank lower, wrapping Mt. Adams from above.
Then came a burn zone — it reminded me strongly of Section K.Everywhere, fallen trees blocked the path.
Before the final descent of the day, I took a short stop to enjoy the view.
The burn zone continued and became even wilder.
Even though the logs were rather thin, climbing over them wasn’t easy. They moved when you stepped on them, but sometimes it couldn’t be avoided, as they often lay closely together.
I cursed under my breath but kept climbing — I had no other choice.
Once the trail eased up, I met a day-hiker couple. They were local and wanted to get a sense of the fallen trees’ scale. They were part of the Trout Lake Crew, who took it upon themselves to help thru-hikers by clearing the trail with their own resources.
The PCTA, usually responsible for this work, had fewer resources this year and couldn’t keep up with the natural chaos on the trail.
So the people in Trout Lake banded together and took matters into their own hands.
Thank you for that!Soon after, I left the beautiful Mt. Adams Wilderness and headed toward the road leading to Trout Lake.
I reached the northern trailhead around 2:45 p.m.
The Trout Lake trail angels were well organized. At the trailhead, a list of phone numbers was posted, which could be reached even without cell service via the inReach satellite messenger.
I entered the first number and waited for a response.
No answer came — but ten minutes later, a PCT NOBO hiker appeared from the northern trailhead. He had just contacted a trail angel, who would arrive in about 15 minutes. He definitely had room for two.
After about two minutes, a vehicle arrived and dropped off three hikers — SOBOs.
The driver asked if we needed a ride to Trout Lake — and it turned out he was the trail angel I had contacted earlier.
I accepted the offer, but the other NOBO waited. He didn’t want the trail angel to come for nothing. I would have done the same — standard hiker-trail angel etiquette.
The ride took about 20 minutes, during which Larry told me everything a hiker needed to know about Trout Lake.
Strangely, my phone had no reception, so I had to wait until the store to book a motel via Wi-Fi.While I could have camped behind the grocery store, I might as well have stayed on the trail. I wanted to escape the rain.
Out of the three accommodations, I chose the cheapest one for €120. After picking up a few items in the store, Larry drove me there.
I had an ongoing craving for salty chips 👀.
Apparently, my body was low on salt and carbs.
At the Trout Lake Valley Inn, I arranged with Larry when he would pick me up again tomorrow to return to the trailhead. I only planned to stay one night.
The woman at check-in was super friendly and experienced with hikers. She even offered me some coins and laundry detergent for the washing machine, which I gratefully accepted.
The room was fantastic, and the price seemed fair.
I showered first and then did my laundry. While it was running, I emptied the bag of chips and thought about what to have for dinner.
Around 6:00 p.m., I grabbed a salad from a nearby pizzeria and enjoyed it leisurely in my room.
I spent the rest of the evening online, updated my WhatsApp status, and roughly planned the next few days toward Oregon.
Daily distance: 30.96 km
Total distance: 733.18 km