28.07.2025
In der Nacht tauchte noch ein Hiker auf, der sein Zelt „leise“ direkt neben meinem aufbaute. Dank der hauchdünnen Zeltwände habe ich natürlich jedes Geräusch mitbekommen – Dämmung gleich null.
Aber auch kein Wunder, bei gerade mal 1 mm "dicken" Stoff.
Als ich den Kopf aus dem Zelt steckte, war auf der anderen Seite ein Wanderer bereits dabei, alles in seinen Rucksack zu packen.
Ich brühte meinen Kaffee und frühstückte.

Um 6:15 Uhr ging ich los. Bereits 15 Minuten später suchte sich die Sonne ihren Weg durch die dichten Bäume.


Im Vergleich zu Washington war es heute wieder recht eben, auch wenn es zu Beginn stetig bergauf ging. Die Steigung war nicht wirklich steil.


Waldige und offene Landschaft wechselten sich ab und Heidelbeeren gab es auch wieder To Go.




Um während des Laufens meine Powerbank zu laden, musste ich mit dem Solarpanel improvisieren. Da ich die meiste Zeit der Sonne entgegen ging, war das nicht ganz so einfach.

Ich erhaschte den ersten Blick auf den Mount Jefferson, der als nächster Peak aus der sonst recht flachen Gegend hervorstach. Die Mount Jefferson Wilderness war nicht mehr weit.


Um 11:00 Uhr füllte ich mein Wasser an einem kleinen Creek auf, der über den Trail plätscherte.
In Oregon wird die Wasserversorgung schwieriger, da viele der Streams saisonal sind und bereits jetzt nicht mehr fließen.

Auch unter dieser Brück floss kein Wasser mehr...

Noch 3 1/2 Meilen bis zum Olallie Lake Resort. Dort wollte ich eine längere Pause einlegen. Es soll auch einen recht gut bestückten Shop geben. Ich war gespannt.



Gegen 11:30 Uhr begann die Burn Zone.
Das Lionshead Fire hatte hier von August 2020 bis November ganze 204.469 Acres Land zerstört. Ausgelöst wurde der Brand durch einen Blitzschlag.




Etwa eine Stunde später wies mich ein oranges Schild auf das Resort hin. Dafür musste ich den PCT verlassen und ein Stück über eine Dirt Road gehen. Den kleinen Umweg nahm ich gerne in Kauf.



Vor Ort waren auch andere Hiker, darunter der junge Mann, den ich bereits in Cascade Locks getroffen hatte.
Ich stellte meinen Rucksack auf eine Bank vor dem Shop und ging hinein.



Keine Frage, hier könnte man ein komplettes Re-Supply machen. Die Auswahl ist echt groß, und auch ich hätte mich problemlos für ein paar Tage eindecken können.
Mit einer Tüte Chips, zwei Protein Bars, einer Dose Flavored Water und einer neuen Cappi verließ ich zufrieden den Laden.

Ich setzte mich auf die Bank, zog meine Schuhe aus und genoss die Aussicht. WLAN gab es hier übrigens keines, und Empfang sowieso nicht.
Nur ein dezenter Hinweis erinnerte daran, wie weit es noch bis nach Mexico ist.


Nach einer ausgedehnten Pause von über einer Stunde setzte ich meinen Weg wieder fort – bergauf durch die Burn Zone.
Ich ließ den Olallie Lake links hinter mir und folgte dem PCT weiter Richtung Mount Jefferson.


Weitere kleine Lakes folgten, während sich der Weg stetig nach oben schlängelte. Bis auf 2100 m sollte es noch gehen.



Hier und da sah es ein wenig traurig aus, der Boden noch völlig ohne neues Grün.


Ich spürte die über 30 km in meinen Beinen, die ich heute schon hinter mir hatte, und der Gedanke, vor der No-Camping-Zone mein Zelt aufzuschlagen, wuchs.

Am Horizont zogen einige „böse“ Wolken auf, die durchaus gewittertauglich wirkten. Ein Blick auf meine Wetter-App verriet jedoch, dass erst morgen Gewitter zu wahrscheinlich sein könnte.
Trotzdem kein gutes Gefühl – vor allem, wenn man den Berg hinaufgeht.

An einem See füllte ich noch Wasser auf, da mir kein NOBO-Wanderer wirklich bestätigen konnte, dass es vor dem Mt. Jefferson noch eine Wasserquelle gab – auch FarOut war da nicht eindeutig.


Um 16:30 Uhr betrat ich die Mount Jefferson Wilderness.


An einer Junction war ich kurz unsicher, wo der PCT entlangführt, und verirrte mich für einen Moment. Dank meiner Map fand ich schnell wieder den richtigen Weg.
Dafür wurde es wieder grüner 🌱



Gegen 17:30 Uhr stieß ich auf einen Pond und den dazugehörigen Campingplatz. Laut FarOut war es genau die Campsite, die ich anvisiert hatte.Ich ließ meinen Rucksack nieder und überlegte ...
Meine Füße schmerzten und wollten keinen Schritt mehr weiter. Ich war kurz vor der No-Camping-Zone, und von hier waren es noch ca. 6 km bis zum nächsten erlaubten Spot.
Ja, zeitlich hätte ich es vermutlich geschafft, doch aufgrund meiner körperlichen Verfassung blieb ich hier.
Eine schlechte Entscheidung war das keineswegs – der Spot war wirklich toll.


Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, wusch ich mir den Dreck von den Beinen. Das Wasser war allerdings eiskalt, und die Füße in den Pond zu stellen tat richtig weh.

Leider waren hier oben auf 2.000 m die Mücken immer noch sehr aktiv und trieben mich ins Zelt.
Also aß ich drinnen und kümmerte mich um die Blasen an meinen Füßen.

Ein kleines emotionales Tief schlich sich ein, das mich an vielen Dingen zweifeln ließ. Ich war mir bewusst, dass solche Emotionen auf einer langen Wanderung immer wieder auftauchen werden.
Heute beschäftigten mich vor allem meine Blasen an den Füßen. Sie schmerzten stark und minderten die Freude beim Laufen. Trotz der neuen, größeren Schuhe hatten sich neue Blasen an anderen Stellen gebildet, sodass ich nun zusätzlich zu den Zehen auch welche an den Hacken hatte.
Zum Sonnenuntergang kroch ich nochmal aus dem Zelt und friere ein wenig im Freien - es war frisch hier oben.


Nur mit meiner Schildkröte als Gesellschaft schlief ich gegen 21:00 Uhr ein.

Um 23:00 Uhr wachte ich auf und konnte nicht widerstehen, nach draußen zu sehen. Die Milchstraße selbst erstreckte sich über den Nachthimmel.


---------------------------------
Tageskilometer 45,31 km
Gesamtkilometer 1042,44 km
---------------------------------
English Version:
During the night, another hiker appeared and quietly set up their tent right next to mine. Of course, I heard everything through the ultra-thin tent walls – zero insulation.
But no wonder, considering the fabric was barely 1 mm thick.
When I poked my head out of the tent, a hiker on the other side was already packing everything into their backpack.
I brewed my coffee and had breakfast.
At 6:15 a.m., I set off. Just 15 minutes later, the sun began to make its way through the dense trees.
Compared to Washington, today was relatively flat, even though the beginning involved a steady uphill. The incline wasn’t really steep.
Forested and open landscapes alternated along the trail, and there were also some blueberries to grab on the go.
To charge my power bank while walking, I had to improvise with the solar panel. Since I was walking mostly toward the sun, it wasn’t exactly easy.
I caught my first glimpse of Mount Jefferson, the next peak standing out in the otherwise fairly flat landscape. The Mount Jefferson Wilderness wasn’t far away.
At 11:00 a.m., I refilled my water at a small creek flowing over the trail.
Water supply in Oregon will get more difficult, as many streams are seasonal and already not flowing anymore.
Even under this bridge, no water was flowing…
About 3.5 miles to Olallie Lake Resort. I planned to take a longer break there. There’s supposed to be a well-stocked shop, which I was curious about.
By 11:30 a.m., I entered the Burn Zone.
The Lionshead Fire had burned from August 2020 to November, destroying 204,469 acres of land. A lightning strike had caused the fire.
About an hour later, an orange sign pointed me toward the resort. To get there, I had to leave the PCT and walk a stretch along a dirt road. I gladly accepted the small detour.
At the resort, other hikers were also present, including the young man I had met back in Cascade Locks.
I set my backpack down on a bench in front of the shop and went inside.
No doubt about it – you could do a full re-supply here. The selection was huge, and I could easily have stocked up for a few days myself.
I left the shop with a bag of chips, two protein bars, a can of flavored water, and a new cap.
I sat down on the bench, took off my shoes, and enjoyed the view. No Wi-Fi here, and no signal either.
Only a subtle reminder showed how far it still was to Mexico.
After a long break of over an hour, I continued on – uphill again through the Burn Zone.
I left Olallie Lake behind on my left and continued along the PCT toward Mount Jefferson.
Several small lakes followed, while the trail steadily climbed. The goal was still 2,100 meters.
Here and there, the landscape looked a little sad, the ground completely lacking new greenery.
I felt the 30+ km I had already walked in my legs, and the thought of pitching my tent before the No-Camping Zone grew stronger.
On the horizon, a few “angry” clouds gathered, seemingly ready for a thunderstorm. But a glance at my weather app showed that storms were only likely tomorrow.
Still, it didn’t feel great – especially while climbing uphill.
At a lake, I refilled my water since no NOBO hiker could confirm that there would be another water source before Mount Jefferson. Even FarOut wasn’t clear.
By 4:30 p.m., I entered the Mount Jefferson Wilderness.
At a junction, I was briefly unsure of the PCT’s route and wandered off for a moment. Luckily, my map helped me find the correct path.
The trail started to get greener again. 🌱
By 5:30 p.m., I came across a pond and the corresponding campsite. According to FarOut, it was exactly the site I had aimed for. I dropped my backpack and thought for a moment
My feet were aching and refused to take another step. I was just before the No-Camping Zone, and from here it was still about 6 km to the next permitted spot.
Yes, I probably could have made it in time, but given my physical condition, I stayed here.
It wasn’t a bad decision – the spot was really great.
After setting up my tent, I washed the dirt off my legs. The water was freezing, and putting my feet in the pond hurt badly.
Unfortunately, at 2,000 m the mosquitoes were still very active, driving me into the tent.
So I ate inside and tended to the blisters on my feet.
A small emotional low crept in, making me doubt many things. I knew this would happen on such a long hike, but today it was mainly my blisters that troubled me. They hurt badly and reduced my enjoyment of walking. Despite the new, larger shoes, I had developed new blisters elsewhere – in addition to the ones on my toes, I now had blisters on my heels as well.
At sunset, I crawled out of the tent again and shivered a little outside – it was cold up here.
Only with my turtle for company, I fell asleep around 9:00 p.m.
At 11:00 p.m., I woke up and couldn’t resist looking outside – the Milky Way itself stretched across the night sky.
Daily mileage: 45.31 km
Total mileage: 1,042.44 km