10.08.2025
So wunderschön, wie der Tag gestern geendet hatte, so begann er auch an diesem Morgen.
Der Mond leuchtete noch am Himmel, als ich aus dem Zelt schaute. Ich schlüpfte hinaus und genoss das Ankommen des neuen Tages mit einem Kaffee.


Es war noch frisch am Morgen, aber die Aussicht entschädigte alles. Ich war froh, dass ich mich am Vortag entschieden hatte, nicht weiterzugehen, sondern hier zu bleiben.
Um 6:30 Uhr hatte ich meine Habseligkeiten wieder eingepackt und startete in den Tag.

Nach bereits 20 Minuten erreichte ich den höchsten Punkt in Oregon auf 2304 Metern und machte eine kleine Fotosession.


Der Zeltspot hier, war nicht ansatzweise so schön, wie der von letzter Nacht - alles richtig gemacht gestern.
Danach ging es weiter durch die wunderschöne Natur der Mount Thielsen Wilderness, und mit dem „leichteren“ Rucksack lief es sich sehr angenehm.



Ab und zu kamen mir NOBO-Hiker entgegen, und man unterhielt sich kurz. Oft ging es um die Wasserknappheit in Oregon, in die ich quasi hineinlief, und um einige Wasser-Caches an den Straßen.
Allerdings kamen auch Abschnitte, auf denen es ratsam war, mehrere Liter mitzuschleppen.


Um 8:30 Uhr erreichte ich den Thielsen Creek, füllte meinen Wasservorrat mit frischem Gletscherwasser auf – eiskalt und unglaublich erfrischend.


Nach der kurzen Pause zum Wasserauffüllen führte der Weg wieder bergauf – allerdings eher moderat mit 5 km und etwa 250 Höhenmetern.




Es folgten ein paar Switchbacks, und um 9:20 Uhr erreichte ich eine Junction. Von hier konnte ich entweder auf den Mount Thielsen aufsteigen, zum Diamond Lake Resort – einem weiteren Resupply-Ort auf dem Trail – gehen oder dem PCT weiter in Richtung Crater Lake folgen.


Ich brauchte kein weiteres Essen, und am Crater Lake Campground Mazama warteten ohnehin Pakete auf mich – also folgte ich dem Originalweg abwärts.

Der Weg nach unten war fantastisch – eben, weich und eine richtige Wohltat für meine Füße.

Und mit herrlicher Aussicht auf den Diamond Lake 💙.

Ich purzelte weiter den Berg hinunter, verließ die Mount Thielsen Wilderness und traf auf eine Forest Road. Aus der Ferne erkannte ich bereits das durchsichtige Gold – in Form großer Plastikflaschen, die am Trailhead bereitgestellt waren: Wasser.


Ich füllte mir 1,5 Liter in meine Flaschen auf. Der nächste Wasser-Cache lag in etwa 13 km Entfernung und an der Junction, an der auch die alternative Route entlang des Crater Lake Rims abzweigte. Dort musste ich entscheiden, ob ich bleibe oder weiter bis zum Mazama Village Campground laufe.

Es war 11:00 Uhr, und die Temperaturen waren seit dem Morgen ordentlich gestiegen. Mir war ziemlich warm, und Schatten war hier Mangelware.


Ich überquerte den Volcanic Legacy Scenic Byway, der gleichzeitig die Grenze zum Crater Lake National Park markierte.
Das erste Mal war ich 2018 in dem Park und hatte mich sofort verliebt. Das Blau des Sees war einfach unbeschreiblich schön 💙

Heute hieß es erstmal "registrieren" und dann durch die Hitze auf dem staubtrockenen Trail vorankommen.


Um 12:10 Uhr setzte ich mich für eine Pause auf einen Baumstamm. Seit dem Morgen war ich durchgelaufen und hatte dabei immer wieder gesnackt. Auch wenn es sich noch früh anfühlte, hatte ich bereits gut 23 km zurückgelegt und gönnte mir deshalb eine kurze Pause.
In etwa 10 km würde ich die Junction erreichen, an der die Entscheidung anstand: weitergehen oder bleiben.

Es war wirklich sehr warm, und ich freute mich über jeden Baum, der ein bisschen Schatten auf den Weg warf.

Meine Garmin prophezeite mir, dass ich gerade in eine Hitzewelle hineinlief. In den nächsten Tagen werde die Temperaturen an die 30 Grad steigen.
Gut, dass ich mich gerade in der trockensten Gegend von Oregon befand 👀

Mit dieser „Hitze“ im Nacken fiel mir die Entscheidung leichter, dass ich in ca. 5 km an der Junction vor dem Crater Lake mein Camp aufschlagen und die Rim-Wanderung erst morgen machen würde.
Heute noch weitere 25 km zu laufen, wäre vermutlich nicht sehr sinnvoll.
Und so erreichte ich um 14:30 Uhr mein heutiges Tagesziel.

Ich ging erstmal an der Junction und den Campspots vorbei und suchte den Parkplatz, wo weitere Wasser-Caches sein sollten.

Ich wurde schnell fündig und freute mich über die Menschen, die sich die Zeit nahmen, den PCTlern Wasser bereitzustellen.


Die Entscheidung war gefallen – ich blieb hier und laufe erst am nächsten Tag weiter. Der Tag wurde damit mit knapp 37 km ein Nero 😅
Ich ging zurück zur Junction und suchte mir einen Spot aus. Es gab hier einige Optionen – offenbar war es typisch für Hiker, hier zu campen und erst am nächsten Tag weiterzulaufen. Der Rim Trail ist ca. 15 km lang, und danach kommen noch etwa 10 km bis zum Mazama Village Campground – also insgesamt rund 25 km von hier.
Ich suchte mir einen Platz aus und baute mein Zelt auf.
Ich hätte mir mehr Schatten gewünscht, denn es war wirklich sehr, sehr warm.

Zum Kochen war es auch zu warm, also setzte ich mein Couscous als Cold-Soak an.

Ich nutzte die Zeit, um meinen Körper auszuruhen. Da es im Zelt schnell zu warm wurde, legte ich meine Matratze vors Zelt und machte ein Nickerchen.

Ich rettete noch einen Schmetterling, der sich in mein Zelt verirrt hatte, und stellte dabei fest, dass es hier gar keine Mosquitos gab – traumhaft. Vielleicht war die Zeit der nervigen Plagebiester jetzt auch endlich vorbei.

Es kamen hier tatsächlich kaum noch Hiker vorbei – ich erinnere mich an zwei, das war’s.
So verging der Tag mit Ausruhen, Wasser holen und dem Zweifel im Kopf, ob ich nicht doch hätte weitergehen sollen.
Ich wusste, dass es am Ende des Tages, wenn ich weitergegangen wäre, nur eine Qual in der Hitze gewesen wäre.
Trotzdem wiederholte mein Kopf, dass es Zeitverschwendung sei, hier zu bleiben und wir so viel mehr hätten schaffen können.

Als ich um 19:00 Uhr ins Zelt krabbelte, war es immer noch viel zu warm darin, und ich konnte fast ohne Schlafsack einschlafen.

Der Mond war weiterhin präsent und tauchte die Nacht in fast taghelles Licht.

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Tageskilometer 36,93 km
Gesamtkilometer 1358,58km
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Englisch Version:
As beautifully as the day before had ended, that’s exactly how this morning began.
The moon was still glowing in the sky when I looked out of my tent. I stepped outside and welcomed the start of a new day with a coffee.
It was still chilly in the morning, but the view made up for everything. I was glad I had decided not to push on the day before and instead stay here.
By 6:30 a.m., I had packed my belongings again and set off.
After just 20 minutes, I reached the highest point in Oregon at 2,304 meters and stopped for a small photo session.
The campsite up here wasn’t even close to as beautiful as the one from the night before – definitely the right decision to stay.
From there, I continued through the stunning landscape of the Mount Thielsen Wilderness, and with a lighter pack, hiking felt especially good.
Every now and then, NOBO hikers passed by, and we exchanged a few words. The main topic was often the water situation in Oregon – a section I was now entering – and the water caches along the roads.
However, there were also stretches where it was necessary to carry several liters.
At 8:30 a.m., I reached Thielsen Creek and refilled my water supply with fresh glacial water – ice cold and incredibly refreshing.
After a short break, the trail climbed again, though gently – about 5 km and 250 meters of elevation gain.
A few switchbacks later, I reached a junction at 9:20 a.m. From here, I could either climb Mount Thielsen, head toward Diamond Lake Resort (another resupply point), or continue on the PCT toward Crater Lake.I
didn’t need more food, and I already had packages waiting for me at Mazama Village Campground near Crater Lake – so I followed the main trail downhill.
The descent was amazing – smooth, soft, and a real relief for my feet.
And the view of Diamond Lake 💙 was incredible.
I literally “rolled” down the mountain, left the Mount Thielsen Wilderness behind, and reached a forest road. From a distance, I already spotted the familiar sight of water caches waiting at the trailhead – large transparent bottles filled with water.
I refilled 1.5 liters. The next cache was about 13 km away, near the junction where the alternative Crater Lake Rim route splits off.
That’s where I would have to decide whether to stay or continue to Mazama Village Campground.
It was 11:00 a.m., and temperatures had already risen significantly. I was getting quite warm, and shade was scarce.
I crossed the Volcanic Legacy Scenic Byway, which also marked the entrance to Crater Lake National Park.
I had been here once before, in 2018, and immediately fell in love with it. The deep blue of the lake is simply indescribable 💙
Today, though, it meant registering first and then pushing through the heat on a dry, exposed trail.
By 12:10 p.m., I took a break on a fallen log. I had been hiking nonstop since morning, snacking along the way. Even though it still felt early, I had already covered about 23 km and needed a short rest.
About 10 km remained until the next junction where I would have to decide whether to continue or stop.
It was getting really hot, and I was grateful for every tree that offered even a bit of shade.
My Garmin warned me that I was entering a heatwave. Temperatures were expected to rise to around 30°C in the coming days.
Perfect timing to be in one of the driest regions of Oregon 👀
With the heat in my back, the decision became easier: I would stop in about 5 km at the junction before Crater Lake and set up camp there, leaving the rim hike for the next day.
Another 25 km in this heat would not have been a smart move.
And so, at 2:30 p.m., I reached my destination for the day.
I walked past the junction and campsites and headed toward the parking area, where more water caches were supposed to be.
I quickly found them and was genuinely grateful for the people who take the time to leave water for hikers like us.
The decision was made – I would stay here and continue the next day.
With nearly 37 km, it turned into a Nero 😅
Back at the junction, I chose a campsite. There were several options, clearly a common stopping point for hikers before tackling the Crater Lake Rim the next day. The Rim Trail alone is about 15 km, followed by another 10 km to Mazama Village Campground – roughly 25 km total from here.
I set up my tent, though I would have preferred more shade – it was really, really hot.
It was too warm even to cook, so I cold-soaked my couscous instead.
I used the afternoon to rest. Since it was too hot inside the tent, I laid my sleeping pad outside and took a nap.
I even rescued a butterfly that had gotten stuck in my tent, and noticed something else: no mosquitoes at all – absolute bliss. Maybe mosquito season was finally over.
Hardly any hikers passed through here – I only remember two all day.
And so the day slowly passed with rest, water runs, and the constant mental debate of whether I should have pushed further.
I knew that continuing in this heat would have been pure suffering. And yet, my mind kept telling me it was wasted time – that I should have done more.
At 7:00 p.m., I crawled into my tent. It was still far too warm to sleep properly, and I could almost fall asleep without a sleeping bag.
The moon was still out, bathing the night in almost daylight-like brightness.
Daily distance: 36.93 km
Total distance: 1,358.58 km