05.-07.08.2025
Die nächsten drei Tage blieb ich also in Oakridge und kümmerte mich um meine Gesundheit und mein Wohlbefinden – das hieß in erster Linie, einen Arzt wegen meines Fußes aufzusuchen, viel zu essen und viel zu ruhen.
Klingt einfach, war es aber nicht.
1. Urgent Care:
Auf Google Maps hatte ich gesehen, dass es im Ort eine Klinik gab, also machte ich mich am nächsten Morgen auf den Weg dorthin.

Ich wurde nett empfangen, bekam aber direkt gesagt, dass ich ohne Termin keinen Arzt sehen würde. Der nächste freie Termin wäre erst in zwei Wochen gewesen.
Stattdessen verwies man mich auf die nächstgrößere Stadt – Eugene. Dort gebe es sogenannte Urgent Care, bei denen man ohne Termin auftauchen und nach ein paar Stunden Wartezeit noch am selben Tag drankommen könne.
Etwas frustriert verließ ich das Gebäude und fragte mich, wie ich ohne Auto nach Eugene kommen sollte. Es gab zwar einen Bus, aber der fuhr nur dreimal am Tag hin und auch nur dreimal zurück. Das Timing musste also passen 👀
Zurück in meiner Bleibe schrieb ich meinem Airbnb-Host und fragte, ob sie jemanden kenne, der zufällig heute nach Eugene fahren und mich mitnehmen könnte.
Tatsächlich meldete sie sich nach etwa zehn Minuten und schrieb, dass ihre Tochter Anna heute zum Großeinkauf fahren wollte.
Zusammen mit ihrem Partner und ihrem kleinen Baby holten sie mich etwa 30 Minuten später am Bungalow ab.
WOW!!!
Nach rund 50 Minuten Fahrt setzte mich Anna bei einem Urgent Care ab, das mir die Dame aus der Klinik aufgeschrieben hatte. Ich sollte mich melden, sobald ich durch war, dann würde sie mich wieder abholen.

Ich wartete keine 30 Minuten, da war ich schon dran. Nach einigen Fragen am Empfang und dem Einsatz meiner Kreditkarte kam eine sehr nette Ärztin zu mir in den Behandlungsraum.
Ich verstand nicht alles Medizinische auf Englisch, aber „Antibiotika“ war klar – oral und als Salbe für die weitere Wanderung, die sie mir nicht ausredete. Sie gab mir ein paar Tipps/ Anweisungen für den Trail und drückte mir einiges an Papier in die Hand, mit dem ich zur Apotheke musste.
Mit frisch verbundenem Fuß trat ich bei knapp 30 Grad wieder hinaus und machte mich auf den Weg zur nächsten Apotheke.


Im nahegelegenen Safeway reihte ich mich in die Schlange der Pharmacy-Kunden ein und bekam nach etwa 30 Minuten Wartezeit – und erneutem Einsatz meiner Kreditkarte – die Salbe sowie ein orangefarbenes Pillengefäß.
So eines hatte ich schon oft im TV gesehen – jetzt hatte ich endlich selbst eines mit meinem Namen darauf 😇

Ich schrieb Anna, dass ich durch war und beim nächsten Whole Foods Market auf sie warten würde. Meinen Standort schickte ich direkt mit, und während ich wartete, gönnte ich mir mal wieder eine Tüte Chips.

Um 18:00 Uhr war ich zurück an meiner Unterkunft – und unendlich dankbar für Annas spontane Hilfsbereitschaft 🤍Zum Abschied meinte sie noch, ich könne mich jederzeit melden, wenn ich etwas brauche 🙏🏻
In den folgenden Tagen stellte ich meinen Fuß regelmäßig in eine Schüssel mit einer Art Fußsalz und behandelte die Wunde anschließend mit der Salbe.

2. Essen
Ja, mit dem vielen Essen ist es so eine Sache – man stellt es sich einfacher vor, als es ist.
Ich hatte mir in den drei Tagen einiges gekauft: kalorienreiche Lebensmittel, Eis, aber auch Dinge, auf die ich Lust hatte und die ich auf dem Trail nicht essen konnte – wie Gemüse, Salat, einfach etwas Frisches.
Zum Frühstück gab es dann Obst und Tee, aber auch Oatmeal und Müsli.



Tagsüber gab es immer wieder Snacks zwischen den Fußbädern und Telefonaten.


Und Abends vorzugsweise Gemüse, Avocado und Süßkartoffeln - und EIS 🍦


Trotzdem fiel es mir schwer, viel zu essen. Mein Magen hatte sich längst an kleine Mengen gewöhnt, sodass ich schnell satt war – das Essen stand mir sprichwörtlich bis zum Hals.
Ich dachte immer zunehmen wäre so leicht ...
3. Rest
Das Ausruhen ergab sich zwangsläufig. Im Ort konnte ich ohnehin nicht viel unternehmen, und meine Füße forderten, dass ich sie stillhielt.
Im Kopf war das aber eine echte Herausforderung – ständig kam die Frage auf, warum wir nicht weitergingen 👀
Stillzusitzen war schon als Kind nie meine Stärke, und dieser Bewegungsdrang zog sich bis ins Erwachsenenalter durch. Obwohl ich spürte, dass meinem Körper die Ruhe guttat, wollte ich mich ständig bewegen und auf dem PCT weiter vorankommen.
Ein paar Schritte an der frischen Luft machte ich trotzdem.

Als sich die drei Tage langsam dem Ende näherten, wuchs in mir der Wunsch, endlich weiterzugehen.
Doch bereits am zweiten Tag meines Aufenthalts brach ein Feuer am Willamette Highway aus – direkt hinter der Ortschaft – und versperrte den Weg zurück zum Trailhead.
War das ein Zeichen?
Sollte ich länger bleiben?
Ich konnte den Rauch sehen und riechen.

Mit Anna hatte ich eigentlich schon eine Fahrerin, die mich zurück zum Trailhead bringen wollte. Sie arbeitete an der Seilbahn direkt am Pass, daher wäre es für sie kein Problem gewesen, mich mitzunehmen.
Aber auch für sie war die Straße dicht – sie konnte seit einem Tag nicht mehr zur Arbeit fahren.

Also hieß es warten ...
---------------------------------
Tageskilometer 0 km
Gesamtkilometer 1256,16 km
---------------------------------
Englisch Version:
So I stayed in Oakridge for the next three days, focusing on my health and well-being – which mainly meant seeing a doctor about my foot, eating a lot, and getting plenty of rest.
Sounds easy, but it wasn’t.
1. Urgent Care
On Google Maps, I had seen that there was a clinic in town, so the next morning I headed there.
I was welcomed kindly, but was immediately told that without an appointment, I wouldn’t be able to see a doctor. The next available slot was in two weeks.
Instead, they referred me to the nearest bigger city – Eugene.
They said there were so-called Urgent Care centers where you could just walk in and, after a few hours of waiting, still be seen the same day.
A bit frustrated, I left the building and wondered how I was supposed to get to Eugene without a car. There was a bus, but it only ran three times a day in each direction. So the timing had to be just right 👀
Back at my place, I messaged my Airbnb host and asked if she knew anyone who might be driving to Eugene that day and could take me along.
To my surprise, she replied about ten minutes later and said her daughter Anna was planning to go grocery shopping there.
About 30 minutes later, she and her partner, along with their baby, picked me up at the bungalow.
WOW!!!
After about a 50-minute drive, Anna dropped me off at an Urgent Care that the clinic receptionist had recommended. I was supposed to message her once I was done, and she would pick me up again.
I didn’t even wait 30 minutes before I was called in. After answering a few questions at the front desk and using my credit card, a very kind doctor came into the exam room.
I didn’t understand all the medical English, but “antibiotics” was clear – both oral (one week) and a cream for the rest of my hike, which she didn’t try to talk me out of. She gave me a few tips and instructions for the trail and handed me some paperwork to take to the pharmacy.
With my foot freshly bandaged, I stepped back outside into nearly 30°C heat and headed to the nearest pharmacy.
At the nearby Safeway, I joined the pharmacy line and, after about 30 minutes of waiting – and another use of my credit card – received the ointment and an orange pill bottle.
I had seen those so many times on TV – now I finally had one with my name on it 😇
I texted Anna that I was done and would wait for her at the nearby Whole Foods Market. I sent her my location, and while waiting, I treated myself to another bag of chips.
At 6:00 p.m., I was back at my place – incredibly grateful for Anna’s spontaneous help 🤍
Before leaving, she told me I could reach out anytime if I needed anything 🙏🏻
Over the next few days, I regularly soaked my foot in a bowl with some kind of foot salt and treated the wound with the ointment afterward.
2. Food
Yeah… eating a lot is trickier than it sounds.
I had bought quite a bit over those three days: high-calorie foods, ice cream, but also things I had been craving and couldn’t get on trail – like vegetables, salad, just something fresh.
For breakfast, I had fruit and tea, but also oatmeal and granola.
During the day, I kept snacking between foot soaks and phone calls.
And in the evenings, mostly vegetables, avocado, sweet potatoes – and ICE CREAM 🍦
Still, it was hard to eat a lot. My stomach had long adapted to small portions, so I felt full quickly – food was literally up to my throat.
I always thought gaining weight would be easy…
3. Rest
Resting came naturally. There wasn’t much to do in town anyway, and my feet demanded that I keep them still.
But mentally, it was a real challenge – the constant question of why I wasn’t moving forward kept coming up 👀
Sitting still was never my strength, not even as a child, and that urge to move has stayed with me into adulthood. Even though I could feel that the rest was good for my body, I constantly wanted to keep moving and make progress on the PCT.
I still took a few short walks outside in the fresh air.
As the three days slowly came to an end, my desire to continue grew stronger.
But already on the second day of my stay, a fire broke out along the Willamette Highway – right behind town – blocking the way back to the trailhead.
Was that a sign?
Should I stay longer?
I could see and smell the smoke.
I had already arranged a ride with Anna to get back to the trailhead. She worked at the ski lift right at the pass, so it would have been easy for her to take me along.
But the road was closed for her as well – she hadn’t been able to get to work for a day.
So all I could do was wait…
Daily kilometers: 0 km
Total kilometers: 1256.16 km