22.08.2025
Schon gestern Abend stand mein Plan fest: früh aufstehen und den Bus um 8:30 Uhr in Castella erwischen. Dieser sollte mich nach Dunsmuir bringen, wo ich einen NERO einlegen wollte - re-supplyen musste ich auch.
Auf die Idee gebracht hatte mich das Pärchen (Daphne & Freund), mit dem ich meinen Camp-Spot geteilt hatte. Erst durch sie erfuhr ich von der Busverbindung.
Ohne diesen Tipp hätte ich vermutlich den Daumen rausgehalten und mein Glück beim Hitchhiken versucht.
Um 5:15 Uhr zauberte ich mir einen Kaffee und löffelte mein cold-soaked Porridge - draußen war es noch dunkel.
Ich baute mein Zelt ab und verstaute alles wieder im Rucksack. Dabei tauchte auch mein AirPods-Case wieder auf, das ich mal wieder erfolgreich verloren hatte.
In Gedanken hatte ich mich bereits von ihm verabschiedet und vermutet, dass es mir irgendwann auf dem Trail (mal wieder) aus der Tasche gefallen war. Umso größer war die Freude, als ich es nur zwei Meter weiter im Dreck liegen sah.

Um 6:20 Uhr machte ich mich auf den Weg. Für die vier Meilen blieb mir mehr als genug Zeit.
Kurz vor Castella, einem kleinen Ort in der Nähe von Dunsmuir und Mt. Shasta, liegt eine Tankstelle, die von vielen PCT-Hikern als Resupply genutzt wird. Entweder decken sie sich im Tankstellenshop mit Lebensmitteln ein oder holen ihr selbst verschicktes Paket vom örtlichen Post Office ab.
Um direkt zur Tankstelle zu gelangen, führt der Weg über den Flume Trail. Die Umleitung ist aktuell für alle PCT-Hiker vorgeschrieben, da der Trail durch den Castle Crags State Park derzeit gesperrt ist.

Es ging hauptsächlich bergab und die Sonne began langsam aufzugehen.

Nach der Hitze des gestrigen Tages fühlte sich die frische Morgenluft einfach großartig an. Natürlich machte ich mir keine Illusionen darüber, dass es in Dunsmuir tagsüber angenehmer sein würde. Doch die Aussicht auf eine Dusche und ein Bett ließ mich der Hitze deutlich entspannter entgegensehen.



Um 7:30 Uhr kam ich gut gelaunt an der Straße und damit am Eingang des Castle Crags State Park an. Bis zur Tankstelle und der Bushaltestelle waren es von hier nur noch ein paar Meter.
Hier traf ich auch Daphne & Freund wieder, das heute Morgen vor mir losgezogen war. Gemeinsam warteten wir vor dem noch geschlossenen Ammirati's Market auf den Bus.
Als ein Auto an der Zapfsäule anhielt, kamen wir auf die Idee, den Fahrer direkt zu fragen, ob er zufällig nach Dunsmuir fährt und uns mitnehmen würde.
Er bejahte es und wir durften einsteigen.

Die Fahrt dauerte etwa zehn Minuten über die I-5 North.
Unser Fahrer setzte uns in einer Seitenstraße ab, an der er arbeitete.
Wir bedankten uns herzlich und gingen anschließend wieder unserer Wege – die sich auch hier zunächst erneut trennten.
Ich wollte unbedingt zu Tootsies, einem Breakfast Café. Ich hatte im Internet darüber gelesen und war mir ziemlich sicher, dass ich dort auch für meine Ernährungsweise etwas Leckeres finden würde.
Wir verabschiedeten uns mit einem „Happy Trails“, und ich machte mich auf den Weg durch die noch ruhige Hauptstraße.
In einem Ort mit gerade einmal 1.565 Einwohnern war um diese Uhrzeit noch nicht viel los. Kurz darauf erreichte ich das bereits geöffnete Café.

Zwar musste ich ein paar Anpassungen an meiner Bestellung vornehmen, doch wenig später stand ein leckeres herzhaftes Frühstück vor mir. Dazu gönnte ich mir einen Kaffee und einen frisch gepressten Saft. Der Saft war für PCT-Hiker mit gültigem Permit übrigens kostenlos.

Während ich mein Frühstück verspeiste, suchte ich online nach einer Unterkunft – die ich natürlich noch nicht hatte – und beantwortete ein paar WhatsApp-Nachrichten.
Auf die Idee, in der Facebook-Gruppe nach einem Trail Angel zu fragen, bei dem ich unterkommen könnte, kam ich in diesem Moment allerdings nicht.
Insgesamt verbrachte ich gut anderthalb Stunden im Café. Da der Check-in in meiner Unterkunft erst um 15:00 Uhr möglich war, gab es für mich keinen Grund zur Eile.
Gegen 10:30 Uhr machte ich mich auf den Weg durch Dunsmuir. Auf dem Programm stand zunächst der obligatorische Resupply für die kommenden Tage auf dem Trail, eine neue Gaskartucshe sowie ein paar Einkäufe für den Rest des Tages.

Frei nach dem Motto: Frisches für den heutigen Tag, Trockenes für die kommenden Meilen.

Zwischen Obstregal und Chipsabteilung traf ich auf Sophie und Antoine, ein weiteres Pärchen, das ich bereits mehrfach auf dem PCT gesehen hatte.
Wie so oft auf dem Trail kamen wir schnell ins Gespräch. Die beiden erzählten, dass sie bei einem Trail Angel namens Noelle in Mt. Shasta untergebracht waren und von ihr am nächsten Morgen zurück zum Trail gefahren werden sollten.
Ich nutzte die Gelegenheit und fragte, ob ich mich für die Fahrt anschließen könnte. Antoine zögerte keine Sekunde.„Sure thing.“
Er gab mir ihre Kontaktdaten, und damit war meine Rückfahrt auf den Trail praktisch schon organisiert.
Da mein Einkauf erledigt war, verabschiedete ich mich wieder. Sophie & Antoine werde ich auf dem Trail noch häufiger begegnen.
Die beiden kommen übrigens aus Kanada – eine angenehme Abwechslung, denn bei ihnen musste ich die Kilometerangaben nicht ständig in Meilen umrechnen.
Apropos - die Temperaturen waren mittlerweile ordentlich gestiegen in der Stadt.

Bis zu meiner Unterkunft, dem Cave Springs Resort, lag noch gut eine Meile vor mir. Auf dem Trail hätte ich über diese Distanz nur müde gelächelt, doch mit zwei vollgepackten Einkaufstüten und Temperaturen jenseits der 30 Grad kam sie mir deutlich länger vor.
Kurz vor Mittag erreichte ich das Cave Springs Resort.
Dass ich zu früh für den Check-in war, wusste ich bereits vorher und hatte deshalb keine großen Erwartungen.
Die Dame an der Rezeption war ausgesprochen freundlich. Zwar war mein Zimmer noch nicht fertig, aber ich durfte es mir im Aufenthaltsraum neben der Rezeption bequem machen und das WLAN nutzen.
Dabei stellte ich fest, dass es weder im Resort eine Waschmaschine gab noch irgendwo in Dunsmuir eine Self Laundry. Also lief ich noch einmal zurück zum Supermarkt, kaufte etwas Seife und entschied mich für die klassische Hiker-Methode – Handwäsche im Waschbecken.
Auf dem Rückweg belohnte ich mich für den Extra-Fußmarsch mit einem Eis.

Um 14:00 Uhr konnte ich meinen Schlüssel in Empfang nehmen und trottete zu der kleinen Cabin für heute Nacht.

Die Cabin war urig, klein und spartanisch eingerichtet – genau so, wie ich es mag.
Nach der kurzen Besichtigung stand allerdings erst einmal Wäschewaschen auf dem Programm. Also stopfte ich sämtliche Klamotten ins Waschbecken und legte los.
Was dabei herauskam, ließ keinen Zweifel daran, dass die Aktion nötig gewesen war: Das Wasser färbte sich in kürzester Zeit dunkel. 🫣

Danach gönnte ich mir erst einmal eine ausgiebige Dusche. Das Wasser über die Haut laufen zu lassen, fühlt sich nach mehreren Tagen auf dem Trail jedes Mal wie ein kleiner Luxus an.
Frisch geduscht widmete ich mich anschließend meinen Einkäufen. Essen für den heutigen Tag musste ebenso vorbereitet werden wie das Portionieren für die kommenden vier Tage bis Burney.

Apropos Burney: Die Wettervorhersage versprach nichts Gutes. Für die kommenden Tage war eine Hitzewelle angekündigt.
Sofort kreisten meine Gedanken wieder um das Thema Wasser. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen wusste ich, dass die kommenden Etappen durchaus herausfordernd werden könnten.

Nachdem das Essen für die nächsten Tage verpackt war, gönnte ich mir mein Abendessen.

Wieder stellte ich fest, dass mein Appetit nicht mit meinem Kalorienverbrauch mithalten konnte. So sehr mein Körper die Energie vermutlich gebraucht hätte, mein Magen machte bei größeren Portionen zurzeit einfach nicht mit.

Ich verließ die Cabin an diesem Abend nicht mehr. Gegen 20:00 Uhr erhaschte ich nur noch einen letzten Blick auf die Farben des Himmels, bevor ich mich in die Federn kuschelte.

---------------------------------
Tageskilometer 5,96 km
Gesamtkilometer 1888,14 km
---------------------------------
Englisch Version:
The plan had already been set the night before: get up early and catch the 8:30 am bus in Castella. It would take me to Dunsmuir, where I planned to take a NERO and do my resupply.
The idea came from Daphne and her boyfriend, with whom I had shared my campsite. They were the ones who told me about the bus connection.
Without their tip, I probably would have stuck out my thumb and tried my luck hitchhiking.
At 5:15 am, I made myself a coffee and spooned down my cold-soaked porridge. Outside, it was still dark.
After breaking down my tent and packing everything back into my backpack, I stumbled upon my AirPods case, which I had once again managed to lose.
I had already said goodbye to it in my head, convinced that it had fallen out of my pocket somewhere along the trail.
Needless to say, I was relieved to find it lying in the dirt just a couple of meters from camp.
At 6:20 am, I hit the trail. With only four miles ahead of me, I had more than enough time.
Near Castella, a small town close to Dunsmuir and Mt. Shasta, there's a gas station that many PCT hikers use for resupply.
Some buy food in the small store, while others pick up packages they previously mailed to the local post office.
To get directly to the gas station, hikers currently have to take the Flume Trail. This detour is mandatory because the section of the PCT through Castle Crags State Park is temporarily closed.
The trail was mostly downhill, and the sun slowly began to rise.After yesterday's heat, the cool morning air felt incredible.
Of course, I knew it wouldn't stay that way once I reached Dunsmuir, but the thought of a shower and a bed made the upcoming heat easier to accept.
By 7:30 am, I reached the road at the entrance to Castle Crags State Park. From there, it was only a short walk to the bus stop and the gas station.
I also ran into Daphne and her boyfriend again. They had started hiking before me that morning, and together we waited outside the still-closed Ammirati's Market.
When a car pulled up to the gas pumps, we wondered if we should simply ask the driver whether he was heading to Dunsmuir.
He was.
A few minutes later, we were sitting in his car.
The ride along I-5 North took about ten minutes. He dropped us off on a side street where he worked.
After thanking him for the ride, we once again went our separate ways.
I was determined to visit Tootsies, a breakfast café I had read about online. I was fairly confident they would have something that fit my dietary preferences.
After exchanging another "Happy Trails," I walked through Dunsmuir's quiet main street.
With only 1,565 residents (as of 2026), there wasn't much happening at that hour.
A few minutes later, I reached the café.I had to make a few adjustments to my order, but before long I was sitting in front of a delicious savory breakfast, accompanied by coffee and a freshly squeezed juice. The juice was actually free for PCT hikers who showed their permit.
While eating, I searched online for a place to stay for the night—which I still hadn't booked—and answered a few WhatsApp messages.
Strangely enough, it never occurred to me to ask in the Facebook group if a Trail Angel might have a place for me.
I ended up spending about an hour and a half in the café. Since check-in at my accommodation wasn't until 3:00 pm, there was absolutely no reason to rush.
Around 10:30 am, I headed into town to take care of the obligatory resupply. I needed food for the next stretch, a new gas canister, and a few things for the rest of the day.
Following the usual thru-hiker philosophy: fresh food for today, dry food for the miles ahead.
Somewhere between the produce section and the chip aisle, I ran into Sophie and Antoine, another couple I had already seen several times on the PCT.
As often happens on the trail, conversation came naturally.
They told me they were staying with a Trail Angel named Noelle in Mt. Shasta and that she would drive them back to the trail the next morning.
I immediately asked if I could join them for the ride.
"Sure thing," Antoine replied without hesitation.
Just like that, my transportation problem for the next day was solved.
After exchanging contact information, I continued on my way. I would run into Sophie and Antoine several more times over the following days.
They're from Canada, which had one major advantage: I didn't have to constantly convert miles into kilometers during our conversations.
Speaking of which, temperatures in town had risen significantly by then.
My accommodation, the Cave Springs Resort, was still about a mile away.
On the trail, I wouldn't even think twice about such a distance. But carrying several heavy grocery bags in temperatures above 30°C made it feel much longer.
Shortly before noon, I arrived at the resort.I already knew I was far too early for check-in and wasn't expecting any special treatment.
The woman at the front desk was incredibly friendly. While my cabin wasn't ready yet, she allowed me to wait in the lounge next to reception and use the Wi-Fi.While sitting there, I discovered that neither the resort nor the town had any self-service laundry facilities.
So I walked back to the supermarket, bought some soap, and prepared myself for the classic hiker solution: washing clothes by hand in the sink.
On the way back, I rewarded myself with an ice cream.
At 2:00 pm, I finally received my key and made my way to the small cabin that would be home for the night.The cabin was rustic, small, and simply furnished—exactly the way I like it.
After a quick look around, laundry became my top priority.
Every piece of clothing I owned ended up stuffed into the sink.
The water turned dark almost immediately, leaving no doubt that the wash was long overdue. 🫣
Afterward, I treated myself to a long shower.Few things feel as luxurious on the trail as letting clean water run over your skin after several days of hiking.
Freshly showered, I turned my attention back to food.
Besides preparing something for the evening, I had to portion and organize supplies for the next four days until Burney.
Speaking of Burney, the weather forecast wasn't exactly encouraging.
A heat wave was on the way.
Immediately, my thoughts returned to water sources, long dry stretches, and how much water I would need to carry. Based on recent experience, I knew the coming days could be challenging.
Once all the food was packed away, I sat down for dinner.
Once again, I noticed that my appetite simply couldn't keep up with my calorie burn. No matter how much energy my body needed, my stomach wasn't interested in large meals at the moment.
I didn't leave the cabin again that evening.
Around 8:00 pm, I caught one last glimpse of color in the evening sky before crawling into bed.
Distance today: 5.96 km
Total distance: 1,888.14 km