Tour du Mont Blanc – Mein Fazit

Bevor ich euch in den nächsten Tagen mit auf die einzelnen Etappen nehme, möchte ich zunächst mein persönliches Fazit zu der Tour du Mont Blanc mit euch teilen.

175 Kilometer. Rund 11.000 Höhenmeter bergauf und 11.000 Höhenmeter bergab. Start und Ziel waren in Les Houches. Nach 5½ Tagen stand ich wieder dort, wo alles begonnen hatte.

Ich hatte unglaublich viel Glück mit dem Wetter. Fünfeinhalb Tage Sonnenschein, kaum eine Wolke und dadurch Ausblicke, die mich immer wieder zum Stehenbleiben gebracht haben – mal zum Staunen, mal einfach zum Verschnaufen. 

Das Mont-Blanc-Massiv ist einfach beeindruckend und die Landschaft gehört ohne Zweifel zu den schönsten, die ich bisher erleben durfte.


Die Höhenmeter sind kein Spaß

Ich wusste, dass der TMB anspruchsvoll sein würde. Aber wie steil viele An- und Abstiege tatsächlich sind, hat mich trotzdem überrascht.

Auf vielen Abschnitten gibt es kaum flache Kilometer. Es geht entweder steil bergauf oder genauso steil wieder bergab. Die 175 Kilometer klingen auf dem Papier vielleicht gar nicht so extrem – die rund 22.000 Höhenmeter im gesamten Tourverlauf erzählen jedoch eine ganz andere Geschichte.

Nach fünf Tagen mit durchschnittlich etwa 2.000 Höhenmetern war ich ehrlich gesagt einfach froh, irgendwann nicht mehr bergauf oder bergab laufen zu müssen.


Zelten statt Hütte

Ich habe die gesamte Tour im Zelt verbracht.

Jeden Abend habe ich mir in der Nähe eines Refuges einen Platz gesucht. So war ich unabhängig und hatte trotzdem die Möglichkeit, bei Bedarf Wasser aus den Trogen aufzufüllen.

Mein Essen hatte ich für die gesamte Tour dabei. Nur am letzten Abend habe ich mir im Refuges ein warmes Abendessen gegönnt.

Viele Wanderer übernachten in den Refuges. Für mich wäre das allerdings nichts.

Während meiner Tour habe ich einige Refuges von innen gesehen und auch die Schlafmöglichkeiten angeschaut. Die Hütten waren durchgehend sehr gut gefüllt. Je nach Hut gab es kleinere Mehrbettzimmer mit vier bis acht Betten oder große Schlafräume mit 20 und mehr Schlafplätzen. Privatsphäre ist dort praktisch nicht vorhanden.

Nach einem langen Tag auf dem Trail möchte ich Ruhe haben, meinen eigenen Platz und meinen Rückzugsort. In einem vollen Schlafraum mit vielen fremden Menschen zu liegen, wäre für mich schlichtweg die Hölle.

Natürlich hat dieses System seine Berechtigung und ermöglicht vielen Menschen, den TMB zu erleben. Für mich persönlich ist es aber genau der Grund, warum ich lieber mit meinem Zelt unterwegs bin.

Mein kleines Zuhause auf dem Rücken und mein eigener Platz irgendwo am Trailrand – genau das gehört für mich zum Erlebnis eines Fernwanderwegs dazu.


Kühe, Glocken und Postkartenlandschaften

Etwas, das mich immer wieder begeistert hat, waren die unzähligen Kühe auf den Almen.

Fast den ganzen Tag hörte man irgendwo das Läuten ihrer Glocken. Mal ganz leise aus der Ferne, mal direkt neben dem Trail. Zusammen mit den grünen Almwiesen, den schroffen Felsen und den schneebedeckten Gipfeln hatte das manchmal etwas fast Unwirkliches.

Es waren genau diese kleinen Momente, die den Trail neben den großen Ausblicken so besonders gemacht haben.


Viele Menschen – und trotzdem besondere Begegnungen

Überrascht hat mich die Anzahl der Menschen.

Der Tour du Mont Blanc gehört zu den bekanntesten Fernwanderwegen Europas – und das merkt man. Gerade an den Pässen, Refuges und beliebten Aussichtspunkten war immer etwas los.

Ein großer Unterschied zu vielen amerikanischen Long Distance Trails ist die vorhandene Infrastruktur. Durch die zahlreichen Refuges und Hütten können sehr viele Menschen gleichzeitig auf dem Trail unterwegs sein und finden entlang der Strecke eine Übernachtungsmöglichkeit.

Auch bei der Versorgung ist der TMB deutlich anders als viele Trails in den USA. Theoretisch könnte man die gesamte Tour laufen, ohne große Mengen an Essen mitzunehmen. In fast allen Refuges gibt es warme Mahlzeiten, und immer wieder kommt man durch kleine Orte mit Einkaufsmöglichkeiten.

Für viele ist genau das der Reiz des TMB: Man kann die Alpen erleben, ohne komplett autark mit schweren Rucksack unterwegs sein zu müssen.

Für mich persönlich bedeutet das aber - die Einsamkeit, die ich an langen Trails in den USA so liebe, findet man hier kaum. Wer genau dieses Gefühl sucht, wird es auf dem TMB wahrscheinlich vermissen.

Trotzdem habe ich einige tolle Menschen kennengelernt. Und genau diese Begegnungen sind es, die neben den beeindruckenden Landschaften am Ende einer Tour in Erinnerung bleiben.


Mein Fazit

Würde ich die Tour du Mont Blanc noch einmal laufen?

Nein.

Nicht, weil er mir nicht gefallen hat – ganz im Gegenteil. 

Die Landschaft ist spektakulär und die Tour absolut empfehlenswert.

Aber für mich gehört zum Wandern auch das Gefühl von Weite und Ruhe. 

Grundsätzlich zieht es mich auch eher auf neue Trails, als dieselbe Strecke immer wieder zu laufen. Der PCT ist dabei eine Ausnahme – dieser Trail hat für mich eine ganz besondere Bedeutung.

Ich bin froh, die TMB erlebt zu haben. Er hat mich gefordert, beeindruckt und mir gezeigt, dass 30 Kilometer in den Alpen etwas völlig anderes sind als 30 Kilometer auf dem PCT.

In den nächsten Tagen nehme ich euch mit auf die einzelnen Etappen. Es gibt jede Menge Bilder, kurze Videos und natürlich ganz viel Berglandschaft 🏔️

12. Juli 2026



Before I take you along the individual stages of the Tour du Mont Blanc in the next few days, I want to share my personal thoughts and conclusion about the trail first.

175 kilometers. Around 11,000 meters of elevation gain and 11,000 meters of descent.

Starting and finishing in Les Houches. After 5½ days, I was back where everything had started.

I was incredibly lucky with the weather. Five and a half days of sunshine, barely a cloud in the sky, and views that made me stop again and again – sometimes to simply admire them, sometimes just to catch my breath.

The Mont Blanc Massif is absolutely impressive, and the scenery is without a doubt among the most spectacular I have experienced on a trail so far.


## The elevation is no joke

I knew the TMB would be challenging. But the steepness of many climbs and descents still surprised me.
On many sections there are hardly any flat kilometers. It is either steeply uphill or just as steeply downhill. The 175 kilometers might not sound too extreme on paper – but the roughly 22,000 meters of total elevation change tell a completely different story.

After five days with around 2,000 meters of elevation gain per day on average, I was honestly happy when I no longer had to go either uphill or downhill.


## Camping instead of huts

I spent the entire trip sleeping in my tent.
Every evening I found a place to camp near a refuge. This allowed me to stay independent while still having the option to refill my water from the troughs nearby.

I carried all my food for the entire journey. Only on my last evening did I treat myself to a warm dinner at a refuge.
Many hikers stay in the refuges. For me, however, this would not be the right choice.

During my trip, I had the chance to look inside some refuges and see the sleeping arrangements. The huts were consistently very busy. Depending on the refuge, there were smaller dorm rooms with four to eight beds or large sleeping areas with 20 or more beds. Privacy is basically non-existent.

After a long day on the trail, I need peace, my own space, and a place to retreat. Sleeping in a crowded room with many strangers would simply be my personal nightmare.

Of course, this system has its purpose and allows many people to experience the TMB. For me personally, it is exactly the reason why I prefer traveling with my tent.

My little home on my back and my own place somewhere along the trail – that is a big part of what makes a long-distance hike special for me.


## Cows, bells and postcard landscapes

Something that fascinated me again and again were the countless cows on the alpine meadows.
Almost all day long, I could hear the sound of cowbells somewhere nearby. Sometimes quietly in the distance, sometimes right next to the trail. Together with the green meadows, rugged mountains and snow-covered peaks, it sometimes felt almost unreal.

These small moments were exactly what made the trail special, besides the incredible views.


## Many people – and still special encounters

What surprised me was the sheer number of people.
The Tour du Mont Blanc is one of the most famous long-distance trails in Europe – and you definitely notice that. Especially at mountain passes, refuges and popular viewpoints, there was always a lot going on.

One major difference compared to many American long-distance trails is the existing infrastructure. The many refuges and huts allow a large number of people to hike the trail at the same time and provide accommodation along the route.

The logistics are also very different from many trails in the USA. In theory, you could hike the entire TMB without carrying large amounts of food. Almost every refuge offers meals, and you regularly pass through small villages with grocery stores.

For many people, this is exactly what makes the TMB attractive: experiencing the Alps without having to be completely self-sufficient with a heavy backpack.

For me personally, however, it also means that the solitude I love so much on long trails in the USA is mostly missing here. If you are looking for that feeling of wilderness and being alone, you will probably miss it on the TMB.

Nevertheless, I met some wonderful people along the way. And these encounters are the moments that stay in your memory just as much as the incredible landscapes.


## My conclusion

Would I hike the Tour du Mont Blanc again?

No.

Not because I didn’t enjoy it – quite the opposite.

The landscape is spectacular, and the trail is absolutely worth experiencing.

But for me, hiking is also about a feeling of space, freedom and quiet.

In general, I am more drawn to discovering new trails than hiking the same route again and again. The PCT is the exception – this trail has a very special meaning to me.

I am glad I experienced the Tour du Mont Blanc. It challenged me, impressed me, and showed me that 30 kilometers in the Alps are something completely different from 30 kilometers on the Pacific Crest Trail.

In the next few days, I will take you along the individual stages. There will be lots of pictures, short videos, and of course plenty of mountain scenery. 🏔️

July 12th, 2026

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